Impfdurchbrüche vermeiden

Booster im Herbst: Valneva oder angepasste mRNA?

, Uhr
Berlin -

Die aktuellen mRNA-Impfstoffe schützen nicht mehr so gut gegen Omikron wie noch gegen den Wildvirustyp oder die Beta- oder Delta-Variante. Deshalb arbeiten Biontech und Moderna an angepassten Impfstoffen, diese sollen im Herbst zur Verfügung stehen. Ebenfalls bald zugelassen werden soll der erste wirkliche Totimpfstoff (Vollvirus) des französischen Herstellers Valneva. Doch welchen Impfstoff soll man nun für eine eventuelle Booster-Impfung im Herbst wählen?

Schweden hat sich bereits für die fünfte Impfung für ältere Menschen und Risikogruppen im Herbst ausgesprochen. Und auch in Deutschland könnte es im Herbst zu einem erneuten Anstieg der täglichen Impfungen kommen. Denn ungefähr im September erwartet die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) die Zulassung für die angepassten Impfstoffe von Biontech und Moderna. Es werden zweierlei Impfstoffe geprüft: Monovalente Vakzine, die lediglich Omikron-angepasst sind, und bivalente Varianten, die sowohl mRNA für das Spikeprotein des Wuhan-Stammes als auch mRNA für das Protein der Omikron-Variante enthalten.

Zwar arbeitet auch Novavax an einem angepassten Impfstoff, aber am weitesten fortgeschritten in ihrer Entwicklung sind eben die mRNA-Vakzine. Bei Novavax handelt es sich um eine Kombination aus Antigenen vom ursprünglichen Sars-CoV-2 und der Beta-Variante mit dem Adjuvans Matrix-M1.

Die adaptierten Impfstoffe können aber nur zugelassen werden, wenn sie gegenüber der Ursprungsvariante eine Überlegenheit zeigen. Studienergebnisse müssen zeigen, dass Geimpfte höhere neutralisierende Antikörpertiter gegen Omikron entwickeln, als bei der Impfung mit den ursprünglichen Vakzinen. Es können auch weitere besorgniserregende Varianten miteinbezogen werden.

Mono- und bivalent

Biontech arbeitet aktuell an drei angepassten Impfstoffen: Neben einem monovalentem Omikron-Impfstoff befindet sich die Kombination aus BNT162b2 und BNT162b2OMI, welche mRNA für die Spikeproteine des Wuhan- und des Omikron-Stammes enthält, in Phase-III. Ebenfalls in der Pipeline befindet sich ein Impfstoffkandidat angepasster mRNA für das Spikeprotein der Varianten Alpha und Delta. Dieses Vakzin befindet sich aktuell in Phase-II.

Auch bei Moderna wird an einem monovalentem Omikron-Impfstoff geforscht. Darüber hinaus befindet sich der bivalente mRNA-Impfstoff mRNA-1273.211 mit angepasster mRNA zum Bau des Spikeproteins der Wuhan- und Beta-Variante in der klinischen Phase-II/III. Und auch ein Impfstoff mit mRNA der Wuhan- und Omikron-Variante befindet sich im Phase-II/III.

Valneva liefert breitere Immunantwort

Der Impfstoffkandidat VLA2001 befindet sich auf der Zielgeraden und wird höchstwahrscheinlich zeitnah in der EU-zugelassen. Damit wird der erste richtige Totimpfstoff auf Basis abgetöteter Vollviren in Deutschland verfügbar sein. Dadurch, dass das ganze Virus und nicht nur Fragmente (mRNA) injiziert wird, erwarten die Forscher:innen von Valneva eine breitere Immunantwort. Um direkt Antworten liefern zu können, hat das Unternehmen Studien zu Omikron angeschlossen. Und: Eine aktuelle Laborstudie konnte zeigen, dass gebildete Serumantikörper in der Lage waren, die Omikron-Variante neutralisieren – dieser Effekt setzte nach drei Dosen, also nach der Booster-Impfung ein.

Eventuelles Problem: Der Impfstoff aus inaktivierten ganzen Viruspartikeln von Sars-CoV-2 wirkt alleine nicht ausreichend gut. Valneva hat gleich zwei Adjuvantien hinzugefügt: CpG 1018 und Alaun. Alaun ist ein Kalium-Aluminium-Salz – und Aluminium ist bekanntlich umstritten und führt bei vielen Bürger:innen zu Ablehnungen. Das Risiko von Demenz und Brustkrebs soll durch die Injektion von Aluminium steigern, so die Bedenken der Kritiker:innen. Die Studienlage ist eher lückenhaft, insbesondere was die einmalige Anwendung angeht. Biontech hatte am Anfang der Impfkampagne auf Postern sogar mit der Aluminium-Freiheit geworben, um mehr Zustimmung zu erhalten.

Newsletter
Das Wichtigste des Tages direkt in Ihr Postfach. Kostenlos!

Hinweis zum Newsletter & Datenschutz

APOTHEKE ADHOC Debatte

Weiteres
Stefan Kukacka wird CEO
Von Beiersdorf zu Schülke»
Rechenzentrum in Transformation
Noventi in Zahlen»
Auf antibakterielle Wirkstoffe besser verzichten
Hautcremes können dem Mikrobiom schaden»
Erste Leitlinie für Diagnose & Behandlung
Vitiligo: Wenn der Haut die Pigmente fehlen»