Falsch dosierte Zytostatika

Zyto-Skandal von Chemnitz: Was bislang bekannt ist

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Berlin -

Bottrop 2.0 oder einfach nur Schlamperei? Offenbar wissen auch die beteiligten Ermittler im Zytoskandal von Chemnitz noch nicht so genau, womit sie es zu tun haben. Wohl auch aus diesem Grund sind sie vorsichtig, was öffentliche Äußerungen angeht. Was bislang über den Fall bekannt ist.

In Chemnitz gibt es den Verdacht, dass Krebsmedikamente bei der Herstellung in einer Apotheke falsch dosiert wurden. Nachdem APOTHEKE ADHOC am vergangenen Freitag exklusiv über die Vorgänge berichtet hatte, informierte Regina Kraushaar, Präsidentin der Landesdirektion Sachsen (LDS), noch am selben Tag über den Fall. Ursprünglich war geplant gewesen, zunächst gezielt die Ärzt:innen zu informieren, um eine Verunsicherung in der Öffentlichkeit zu vermeiden.

Wie kam der Stein ins Rollen?

Der Tipp kam Ende September von einem anonymen Informanten aus der Apotheke: „Wir haben einen Hinweis aus der Mitarbeiterschaft bekommen. Ein Whistleblower hat uns über die Unregelmäßigkeiten bei der Herstellung von Zytostatika informiert“, so Behördensprecher Ingolf Ulrich.

Wie wurde ermittelt?

Nachdem der Anfangsverdacht im Raum gestanden hatte, dass Patient:innen zu Schaden kommen könnten, musste die Behörde schnell handeln. Den Vorwürfen sei man sofort nachgegangen – wobei zunächst geklärt werden musste, um welche Apotheke es sich überhaupt handelt: „Das stand zuerst noch nicht fest“, so Ulrich.

Am 6. Oktober wurde die Apotheke schließlich durch Mitarbeiter der LDS, der Staatsanwaltschaft Chemnitz und der Polizei durchsucht. 20 Zubereitungen wurden beschlagnahmt und zur Analyse an ein externes Labor gegeben.

Wie ist die Beweislage?

Bislang liegen vorläufige Ergebnisse zu acht Proben vor. Kraushaar sprach von einem „komischen Bild“: Die in der Apotheke hergestellten Zytostatika seien teils überdosiert, teils unterdosiert und teils korrekt dosiert gewesen.

Nach Informationen von APOTHEKE ADHOC war der überwiegende Teil unterdosiert, in einer Zubereitung mit Trastuzumab war sogar überhaupt kein Wirkstoff nachweisbar. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft bestätigte: „Nach ersten Mitteilungen war in einer der sichergestellten Proben kein Wirkstoff, in einer Probe zu viel Wirkstoff und in mehreren anderen Proben lediglich bis zu 70 bis 80 Prozent Wirkstoff.“

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