1750 Standorte in prekärer Lage

Treuhand: Nur jeder dritten Filiale geht es gut

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Berlin -

92 Filialen gingen im vergangenen Jahr vom Netz, laut Abda-Zahlen gab es 243 Schließungen, denen 27 Neugründungen und 124 Übernahmen bisheriger Hauptapotheken gegenüber standen. 2022 hatte es bei den Verbünden den ersten Rückgang seit Zulassung des beschränkten Mehrbesitzes überhaupt gegeben. Und auch in diesem Jahr haben die wirtschaftlichen Herausforderungen schon einige Inhaber:innen dazu genötigt, einzelne Standorte aufzugeben. Lohnt sich das Filialgeschäft noch und unter welchen Bedingungen? Die Treuhand Hannover liefert Fakten und Tipps.

Insgesamt gehörten Ende des Jahres noch 7926 Apotheken zu einem Verbund aus mehreren Apotheken, das waren 182 weniger als 2021. Offenbar rechnet sich das Geschäft für viele Inhaber:innen also nicht mehr. Damit die Filiale ein Erfolgsmodell wird, sei das Nutzen von Synergien das oberste Credo, so die Treuhand. In der Vergangenheit sei die Entscheidung zur Filiale teils blauäugig getroffen worden, heute könne sich das kein:e Inhaber:in mehr leisten. Aber auch die Erwartungen seien höher, hat die Treuhand festgestellt.

„Die Rendite muss stimmen, Konkurrenz soll abgewehrt und die eigene Marktposition gestärkt werden, man will positive Synergie- und Ertragseffekte generieren“, beschreibt die Treuhand die Anforderungen. Wer sich jedoch mit einem Betrieb ausgelastet fühlt, solle lieber zweimal überlegen, ob die zusätzlichen Aufgaben gemanagt werden können.

Filialen: Weniger Kunden, aber mehr Rohgewinn

In einer aktuellen Analyse stellt die Treuhand fest, dass sich die wirtschaftlichen Daten der Filialen in wichtigen Punkten von denen einer Einzelapotheke unterscheiden:

  • Die durchschnittliche Filiale hatte etwa 5,5 Prozent weniger Kunden und 4 Prozent weniger Umsatz. Das hat aber auch damit zu tun, dass zumeist der wirtschaftlich erfolgreichste Standorte als Hauptapotheke gewählt wird.
  • Filialen erzielten einen um 0,6 Prozentpunkte höheren Rohgewinn – vermutlich wegen der besseren Einkaufskonditionen.
  • Demgegenüber stehen höhere Personalkosten in den Filialen – aufgrund des Filialleiters.
  • Filialverbünde profitierten von Synergieeffekten, beispielsweise bei Werbung, Botendienst und Versicherungen.

Für das Betriebsergebnis ermittelten die Expert:innen der Treuhand für 2023 einen Wert von 2,9 Prozent des Umsatzes vor Steuern in den Filialapotheken, für die durchschnittliche Einzelapotheke lag der Wert hingegen bei 4 Prozent. „Das bedeutete für die durchschnittliche Filiale einen Gewinn vor Steuern von 92.500 Euro.“

Jede 5. schreibt Verluste, jede 3. läuft

Doch trotz dieser eigentlich positiven Zahlen schließen immer mehr Filialen. Den Grund dafür sieht die Treuhand in der Ertragsverteilung der Filialbetriebe: Jede fünfte Filiale schreibe Verluste, fast jede weitere fünfte erreiche nicht einmal die Hälfte des durchschnittlichen Gewinns. „Hochgerechnet wären das 1750 Filialbetriebe in Deutschland, die sich in einer wirtschaftlich prekären Lage befinden“, so die Treuhand.

Dementgegen stehe etwa ein Drittel aller Filialen, die genauso gut oder sogar besser als eine Einzelapotheke dastehen. Eine erfolgreiche Filiale sei also durchaus machbar.

Also gelte es, die richtige Filiale zu finden und die Standortfaktoren, wie das Einzugsgebiet, Wettbewerber, Frequenzbringer und Verkehrsanbindung, abzuwägen. Bei einer Übernahme rät die Treuhand zudem, sich die Bilanzen der letzten drei Jahre und die Werte aus Rezeptabrechnung und EDV genau anzuschauen. Bei Filialen müssten zudem zukünftige Personalkosten unter Berücksichtigung des Gehalts einer Filialleitung neu kalkuliert werden.

Berücksichtigt werden sollte auch, das der Gewinn der Inhaberin oder dem Inhaber zusätzlich zum Ergebnis der Hauptapotheke zugerechnet wird. Das wirke sich auf das monatliche Einkommen und damit auch auf die Einkommensteuer aus, aber nicht hinsichtlich der Beiträge für Versorgungswerk oder Krankenversicherung. Aber auch an die Tilgungen der Darlehen müsse gedacht werden. „Eine rentabel geführte Filiale verbreitert also nur dann die Einkommensbasis des Inhabers, wenn nach Steuern, Vorsorge und Tilgung im Verbund mehr Geld zur Verfügung steht als vorher“, resümiert die Treuhand.

Mehr Chef-Verantwortung

Neben dem wirtschaftlichen Aspekt komme hinzu, dass auch Managementqualitäten ausgebaut werden müssten. Weniger Pharmazeut:in, mehr Kauffrau oder Kaufmann, laute daher die Devise. Die Treuhand rät daher beispielsweise, neue Strukturen zu etablieren, Aufgaben verstärkt zu delegieren oder delegieren zu lassen, wie etwa durch die Schaffung von Verantwortungsbereichen.

Zudem stehe und falle der Erfolg einer Filiale mit der Filialleitung. Komme diese aus dem eigenen oder dem übernommenen Personal, sei das meist von Vorteil für Inhaber:innen. Teilweise hätten sich auch Bonussysteme, die die Leitung am ökonomischen Ergebnis beteiligen, etabliert.

Wie Synergien schaffen?

Hinsichtlich der Grundausstattung einer Filiale seien aufgrund der Apothekenbetriebsordnung keine Synergien zu erzielen – zumindest nach aktuellem Stand. Einsparungen machbar seien hingegen bei der Warenwirtschaft und der Einkaufsstrategie sowie bei der Personalplanung und dem Marketing. Arbeitsprozesse sollten daher homogenisiert, die Teams regelmäßig zusammengebracht werden.

„Wichtig für den Erfolg sind eine klare Strategie, gute Führungs- und Delegationsfähigkeiten des Inhabers, ein tragfähiger Umsatz und Rohgewinn sowie ein motivierter Filialleiter mit sozialer Kompetenz. Allen Anstrengungen zum Trotz ist die Filialisierung nach wie vor eine der wenigen Expansionsmöglichkeiten für Apotheken“, so das Fazit der Treuhand.

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