Krisenbezwinger, Krisengewinner

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Berlin - Das Timing hätte schlechter nicht sein können: Am Tag, nachdem der Bundesrechnungshof (BRH) im Zusammenhang mit der FFP2-Masken eine „deutliche Überkompensation“ zugunsten der Apotheken kritisierte, präsentierte die Abda ein durchschnittliches Plus von 20.000 Euro beim Betriebsergebnis. Auch wenn die Medien das Thema dankend aufgreifen – verstecken müssen sich die Apotheken nicht: Wer Krisenbezwinger ist, darf auch Krisengewinner sein.

11 Milliarden Euro Gewinn wird Biontech wohl in diesem Jahr erzielen, für die kommenden zwei Jahre hat die EU weitere 1,8 Milliarden Dosen bestellt und dabei sogar noch Geld obendrauf gelegt. Bei jedem Pieks im Impfzentrum klingelt beim Hersteller die Kasse. Niemand käme aber auf die Idee, das Unternehmen als Krisengewinner an den Pranger zu stellen. Es überwiegt eine Mischung aus Dankbarkeit und Respekt für die wissenschaftliche und unternehmerische Leistung.

Bei den Apotheken sieht die Sache ein bisschen anders aus. Dass der OTC-Markt eingebrochen ist, findet kaum Wahrnehmung. Dass die Teams seit einem Jahr mit viel Engagement und persönlichem Einsatz die Versorgung sichern, scheint eine Selbstverständlichkeit. Dass sie 6 Euro pro Maske erhalten haben und demnächst 18 Euro für Zertifikate bekommen, taugt da schon eher zum Skandal.

Doch gerade die digitalen Impfnachweise sind ein gutes Beispiel dafür, welche Rolle die Apotheken in der Pandemie eigentlich spielen. Denn während die Ärzt:innen einfach mal abspringen und ohne Umschweife zu Protokoll geben, vor Juli machen wir das nicht, nehmen die Apotheken die Aufgabe an. Details sind kurz vor Schluss unklar, aber auch das kennt man ja schon.

Sicher: Die Kontrolle von Dokumenten und das Eingeben von Daten in eine Maske sind kein Hexenwerk und vielleicht auch keine 18 Euro wert. Doch darum geht es eben gerade nicht. Wer beantwortet denn die zahlreichen Anrufe, die seit Tagen – auch im Notdienst – eingehen? Wer erklärt den Kund:innen das Prozedere, hilft bei der Installation der App? Wer sorgt in der Urlaubszeit dafür, dass die Menschen wieder in den Urlaub fahren können?

Ohne die Apotheken vor Ort, das zeigt die Corona-Krise auf anschauliche Weise, geht es anscheinend nicht. Desinfektionsmittel, Masken, Schnelltests und Impfnachweise waren und sind nur deshalb erfolgreich, weil man sich (auch) auf die Apotheken verlassen kann. Viel zu lange wurde die Arbeit der Teams unterschätzt. Wer Krisenbezwinger ist, darf auch ein ganz klein wenig Krisengewinner sein.

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