Seit mehr als elf Jahren versorgt Anke Groitzsch als Inhaberin Patientinnen und Patienten in Leipzig. In jedes Viertel gehöre eine Apotheke, sagt sie. „Besonders wichtig ist mir die Zusammenarbeit mit Ärzten, wir müssen uns unterstützen und austauschen, gerade weil abseits von uns so viele ‚Bubbles‘ im Gesundheitsmarkt aufgehen.“ Gerade arbeitet sie an Beratungsgesprächen für von Adipositas betroffene Menschen – als Selbstzahlerleistung.
Groitzsch brachte die Frage, wozu man eigentlich noch Apotheken brauche, zum Nachdenken. „Vor einigen Tagen habe ich einen Nachrichtenartikel mit genau dieser Überschrift gelesen. Seitdem hat er mich nicht mehr losgelassen, und die Frage hat mich in den letzten Tagen immer wieder begleitet“, sagt die Inhaberin der Lipsia-Apotheke. Fakt sei, wenn Menschen in die Apotheke kämen, benötigten sie „selten nur eine Packung Medikamente“.
Sie suchten Orientierung. „Sie möchten wissen, ob zwei Medikamente zusammenpassen. Sie erzählen von Beschwerden, für die sie noch keinen Arzttermin bekommen haben. Sie fragen, wie sie ihre Therapie überhaupt umsetzen sollen.“ Gesundheit beginne nicht erst mit einer Diagnose. „Viele kommen zuerst zu uns. Weil wir erreichbar sind“, sagt sie.
Apotheken berieten zu Impfungen, Blutdruck, Diabetes, Inhalation, der richtigen Anwendung von Arzneimitteln oder zu Wechselwirkungen. Viele Gespräche dauerten dabei nur wenige Minuten. „Trotzdem verhindern sie manchmal, dass aus Unsicherheit oder kleinen Anwendungsfehlern größere Probleme entstehen.“
Dass diese Form der Prävention nicht ausreichend vergütet wird, müsse sich ändern. Beim Thema Fettleibigkeit etwa – „Adipositas ist das nächste große Volksleiden, das vor der Tür steht“, sagt Groitzsch. Die Inhaberin betont, dass besonders die Beratung von Menschen, die GLP-1-Agonisten einnehmen, wichtig sei. „Ich denke immer, lasst die Leute bitte nicht nur mit einem Rezept für die Spritze aus der Praxis gehen.“
Genau hier müssten Arztpraxen und Apotheken zusammenarbeiten. In Apotheken könne über die richtige Ernährung und den Muskelaufbau während der Therapie informiert werden. „Wir schöpfen längst nicht aus, was möglich ist.“ Aktuell arbeitet sie deshalb an einem Beratungsformat für Betroffene – als Selbstzahlerleistung. „Wir müssen alle zusammen dafür sorgen, dass die Menschen gesund bleiben.“
Wichtig ist ihr ein differenziertes Beratungsgespräch: „Manchmal können wir helfen oder wir erkennen, dass Beschwerden ärztlich abgeklärt werden müssen, und schicken Menschen direkt weiter. Das gehört zu unserer Verantwortung.“ Über die Jahre hinweg sei Vertrauen entstanden – persönlich und vor Ort. „Wenn jemand vor mir steht und Angst oder Schmerzen hat, hilft kein Warenkorb. Dann braucht es einen Menschen, der zuhört, nachfragt und die Situation einordnet.“
Das Wissen entstehe durch persönliche Begegnungen und lasse sich nicht verschicken. „Eine Apotheke gehört für mich in ein Viertel. Menschen kommen zu Fuß vorbei. Sie holen Medikamente für ihre Eltern. Sie bringen Rezepte für Nachbarn mit. Sie haben Fragen. Gesundheitsversorgung muss so gestaltet werden, dass Menschen schnell, sicher und persönlich Unterstützung bekommen.“