Ob Wirecard oder andere Skandale: Wo es Unregelmäßigkeiten gibt, sind schnell Glücksritter zur Stelle, die eine umfassende Interessenvertretung anbieten. Eine niederländische Firma bläst jetzt zur Jagd auf die Apothekerkammern; Hintergrund ist der Streit um überhöhte Rücklagen. Hinter der Initiative steht ein alter Bekannter.
„Als beitragspflichtiges Mitglied Ihrer Apothekerkammer zahlen Sie Jahr für Jahr Beiträge“, beginnt das Anschreiben, mit dem die Initiative „Kammer-Revision“ sich an Apotheken wendet. „Ihre Mitgliedschaft hängt nicht davon ab, ob Sie mit der Arbeit Ihrer Kammer zufrieden sind. Gerade deshalb sollte nachvollziehbar sein, wofür Ihr Geld verwendet wird.“
Kammerfinanzen seien kein abstraktes Thema – sie beträfen unmittelbar die Beitragszahler. Ein nachvollziehbarer Umgang mit den Mitteln der Mitglieder sei daher wichtig.
„Was wissen Sie über Ihre eigene Kammer? Wie viel Geld fließt in Personal und Verwaltung? Welche Rücklagen bestehen, und wofür werden sie benötigt? Was leistet Ihre Kammer bei Beratung, Fort- und Weiterbildung sowie Interessenvertretung? Und wie steht sie im Vergleich zu anderen Apothekerkammern da?“
„Kammer-Revision“ sei eine „unabhängige private Transparenzinitiative“, heißt es weiter. „Gemeinsam mit Kammermitgliedern wollen wir diese Fragen anhand von Zahlen, Unterlagen und nachvollziehbaren Antworten klären. Gute Arbeit soll sichtbar werden – ebenso wie Verbesserungsbedarf. Nicht die Unzufriedenheit soll wachsen. Sondern die Klarheit.“
Für 99 Euro bietet die Kanzlei Apothekerinnen und Apothekern an, die Finanzen ihrer jeweiligen Kammer einmal gründlich unter die Lupe zu nehmen.
„Sie müssen dafür weder Haushaltspläne selbst auswerten noch einen Fragenkatalog entwickeln. Kammer-Revision bereitet die Schreiben vor und wertet die Antworten aus. Sie wenden sich als Mitglied an Ihre eigene Apothekerkammer.“
Konkret sollen die Apothekerinnen und Apotheker ein vorbereitetes Auskunftsersuchen zu Beiträgen, Finanzen und Leistungen erhalten, das sie selbst an ihre Kammer senden. Die Antworten werden dann vom Dienstleister strukturiert und geprüft. „Bei offenen Fragen nachhaken. Fehlen Antworten oder bleiben Angaben unklar, erhalten Sie ein vorbereitetes Folgeschreiben.“
Aus den einzelnen Antworten wird dann ein Vergleich konstruiert: „Die Ergebnisse fließen zusammen mit vorhandenen Finanz- und Leistungsdaten in den Performance-Index ein. Er soll nachvollziehbar machen, wie wirtschaftlich, transparent und mitgliederorientiert Kammern arbeiten. Auch unbeantwortete Fragen werden dokumentiert. Ziel ist eine sachliche Grundlage für bessere Leistungen, angemessene Beiträge und eine fundierte Diskussion über Pflichtmitgliedschaft und Pflichtbeiträge.“ Aber: „Eine Beitragssenkung oder Erstattung wird damit nicht zugesagt.“
Im Preis enthalten sind die vorbereiteten Schreiben, Folgeschreiben, die Auswertung und der Zugang zu den Vergleichsdaten. „Es gibt kein Abonnement; auch künftige Revisionen sind eingeschlossen.“
Wer steckt hinter der Initiative? Der Absender wird mit „Freiheitskanzlei“ angegeben. Dahinter steckt die Firma Redcap aus Amsterdam, die wiederum einer Stiftung mit dem Namen „Rudulin“ gehört. Und hinter der steht Markus Bönig. Der Unternehmer hatte es erst mit Ordermed im Apothekenmarkt versucht, zuletzt hatte er mit seinen „Impfunfähigkeitsbescheinigungen“ für Schlagzeilen gesorgt.