„Hey Online-Apotheken“: Inhaber will Kunden zum Nachdenken provozieren

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Jene Bequemlichkeit spiegelt sich jedoch nicht in einem kleineren Bewegungsradius, sondern vor allem in veränderter Mediennutzung. „Um zu bestehen, müssen wir besonders die Menschen ansprechen, die ich gern hybride Kunden nenne: Leute, die digital aufgestellt sind, also beispielsweise den Vorteil eines digitalen Bestellvorgangs nutzen, gleichzeitig aber die Vor-Ort-Versorgung samt kompetenter Beratung zu schätzen wissen. Denn das sind viele.“ Das gehe aber nur, wenn bestimmte Grundvoraussetzungen und Spielregeln gegeben sind, die mindestens eine rechtliche Gleichbehandlung von Vor-Ort- und reinen Versandapotheken herstellen. Dazu gehöre beispielsweise ein absolutes Rx-Boni-Verbot sowohl im GKV- als auch im PKV-Bereich.

Andererseits: Von allgegenwärtigen Bioprodukten bis hin zu Themen wie dem Klimawandel zeigt sich in den vergangenen Jahren auch ein verstärkter Trend zu wachsendem Verbraucherbewusstsein. Da müsste doch auch für die Vor-Ort-Apotheken eine Chance bestehen, oder? Brandl geht davon aus und sieht vor allem zwei Punkte, die eine moderne Apotheke in ihrer Kommunikation nach außen kehren müsse: „Erstens muss man den Leuten bewusst machen, dass ihre Zuzahlungen in das deutsche Gesundheitswesen fließen und sie somit ihre eigene Versorgung stärken, während sie bei ausländischen Versendern das Geld ihrem eigenen Gesundheitssystem entziehen. Dieses Geld geht nicht ins Gesundheitswesen, sondern an ausländische Investoren. Hier stehen wieder eingetragene Kaufleute gegen das Großkapital“, erklärt er. Das zweite Thema seien Umweltschutz und Convenience. „Wir fahren hier zum Beispiel mit einem Hybridfahrzeug unsere Bestellungen aus. Ich bin also mit meiner vergleichsweise kleinen vor-Ort-Apotheke sowohl schneller als auch umweltfreundlicher als ein großer Versender.“

Statt den Kopf in den Sand zu stecken und sich plakativ zu verweigern, will Brandl deshalb zu einem konstruktiv-kritischen Umgang mit den Gegebenheiten auffordern. „Ich bin überzeugt: Es gibt auf jeden Fall einen guten Mittelweg für moderne, engagierte Apotheken, die eine wichtige gesellschaftliche Rolle spielen. Und dieser Weg heißt nicht ‚Internet und Digitalisierung sind furchtbar‘, sondern ‚Wir müssen mit der technischen Entwicklung mithalten und Innovationen für uns nutzen.‘“

 

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