Urlaubszeit in der Apotheke

Ein Bus voller Kunden und nur zu zweit: Der Horror Anja Alchemilla, 19.08.2018 08:17 Uhr

Berlin - Was war das nur für ein Tag? Anja Alchemilla lässt sich auf die Notdienstcouch sinken. Und das während der Urlaubszeit! Arbeiten, während andere Ferien haben, ist immer besonders hart. Aber an manchen Tagen ist es für die Restbelegschaft besonders stressig.

Alles begann damit, dass zwei der vier Mitarbeiter Urlaub haben. Der ließ sich auch nicht anders legen, denn alle PTA und PKA haben schulpflichtige Kinder und somit gleichzeitig sechs Wochen Sommerferien zu überbrücken. Überschneidungen gibt es da jedes Jahr. Die Ärzte schließen ihre Praxen allerdings nicht wie früher ebenfalls während der Sommerzeit. In der näheren Umgebung existieren nur noch Gemeinschaftspraxen, damit dort ganzjährig geöffnet bleiben kann. Anja hatte gehofft, mit einer PTA und einer PKA gemeinsam die Ferienzeit zu überstehen, doch nun ist die Backoffice-Kraft einem Magen-Darm-Virus zum Opfer gefallen. Seit drei Tagen arbeiten sie nun zu zweit. Und heute war der schlimmste Tag von allen. Es begann gleich mit einem Bus voller Kunden direkt nach dem Aufschließen der Apotheke. Alle wollten noch ihre Siebensachen erledigt haben, bevor die Sommersonne mit voller Kraft vom Himmel brennt. Und natürlich waren viele Kundenwünsche kompliziert zu erfüllen.

Die erste Kundin legt gleich ein Rezept über Kompressionsstrümpfe nach Maß auf den HV mit der Bitte, sie sofort auszumessen. Sie komme direkt aus dem Krankenhaus, wo sie aufgrund einer Thrombose behandelt wurde. Anja überlässt sie ihrer PTA, die die Dame in den Beratungsraum lotst. Die Filialleiterin ist nun allein mit der Ware von gestern Abend, einem vollen Verkaufsraum und dem läutenden Telefon. Der nächste Kunde ist gleich unzufrieden, dass niemand seine Bestellung bearbeitet hat und er noch einmal wiederkommen muss. Er hat doch extra gestern noch eine E-Mail geschickt! Dass diese um 22 Uhr weit nach Ladenschluss einging, interessiert ihn nicht – das muss doch jetzt da sein! In der schnell abgerufenen E-Mail finden sich drei Rezepturen und der Kunde wird auf den Nachmittag vertröstet.

Von der nachfolgenden Kundin wird gefragt, wann denn nun endlich ihre Januvia-Tabletten kämen. Sie habe sie doch bereits vorgestern geordert. Anja erklärt ihr, dass der Großhandel schon länger nicht mehr bevorratet war und der Hersteller nur noch direkt ausgeliefert hat. Diese Möglichkeit ist allerdings seit Anfang August nicht mehr gegeben, da MSD erklärt hat, dass die Großhändler inzwischen ausreichend beliefert wurden, was diese aber bestreiten. Die Kundin kann das nicht glauben. Anja stellt den Telefonlautsprecher an und ruft sowohl den Großhandel als auch den Hersteller an. Dabei geht wieder Zeit verloren und die wartenden Kunden werden ungeduldig.

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