„Der Schaden ist nicht zu beziffern“

Defekter Kommissionierer: Apothekenbetrieb aus Kisten

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Berlin -

Am 12. Mai stand der Kommissionierer in der Limes-Apotheke von Dr. Schamim Eckert still. Die Folge war ein ungeheurer Mehraufwand im laufenden Betrieb. Zu allem Überfluss musste die Apotheke während des elftägigen Ausfalls auch noch einen Notdienst leisten.

Um die Kundschaft weiter bedienen zu können, packten Eckert und ihr Team alle erreichbaren Medikamente in Kisten und ordneten sie notdürftig alphabetisch. „Wir haben natürlich versucht, Ordnung in den Kisten zu halten und die Packungen zu stapeln, aber im laufenden Betrieb ist das nicht zu halten“, erklärt Eckert.

Ihre Mitarbeiter mussten mit jedem Rezept nach hinten laufen, mehrere Kisten des jeweiligen Buchstabens durchsuchen und zurücklaufen. Da sich im Chaos jeder Schritt um ein Vielfaches verlängerte, musste auch mehr Personal gleichzeitig anwesend sein.

Am 19. Mai hatte die Limes-Apotheke obendrein noch Notdienst. Um zu verhindern, dass Patienten nachts weggeschickt werden müssen, weil an die Präparate kein Herankommen war, habe das Team im Vorfeld diejenigen Präparate, die im Notdienst häufig gebraucht werden, extra bestellt, so Eckert.

 

Kisten mit Arzneimitteln in der Limes Apotheke
Mehr Personal im Einsatz: Weil es viel länger dauerte, die Medikamente in den Kisten zu suchen, waren mehr Mitarbeiter in der Limes-Apotheke notwendig.Foto: Dr Schamim Eckert

Doppelte Bestellungen

Besonders ärgerlich war zudem, dass Eckert teils vorhandene Medikamente doppelt bestellen musste, weil sie nicht an die Packungen im Kommissionierer herankam. „Wir sollten und konnten nicht rein, da entweder ein Techniker am Werkeln war oder wir keine weiteren Regalsperren initiieren sollten“, erklärt Eckert.

Die Inhaberin hatte mehrfach Kontakt zur Herstellerfirma Knapp – zunächst ohne Erfolg. „Wir hatten mehrfach Techniker hier, es waren immer andere, aber das Problem haben sie nicht gefunden“, berichtet sie. Mehrfach seien bereits neue Teile bestellt worden, die dann aber nicht passten.

Auch die Kommunikation sei unzureichend gewesen: „Die Einsatzplanung war für uns telefonisch nicht erreichbar und die Kundenhotline mit Sitz in Österreich konnte keine Angaben dazu machen“, klagt Eckert. Klare Aussagen zu Verantwortlichkeiten, Lösungswegen oder Zeitplänen fehlten. Stattdessen seien Ersatzteile auf Verdacht bestellt worden, doch entweder passten die neuen Teile nicht oder sie passten zwar, aber der Kommissionierer lief trotzdem nicht, da es nicht die Ursache war.

Kisten mit Arzneimitteln in der Limes Apotheke
Ganz elf Tage lang arbeitete das Team der Limes-Apotheke im Ausnahmezustand.Foto: Dr Schamim Eckert

Erheblicher Schaden

Erst nachdem sie mit Schadensersatzansprüchen und der Beauftragung einer Fremdfirma drohte, bewegte sich nach Angaben von Eckert etwas. Ein Techniker fand schließlich vergangenen Freitag am späten Nachmittag das Problem. Am Samstag und Sonntag arbeitete eine Mitarbeiterin gemeinsam mit der Hotline an den Feinjustierungen. Der Greifarm griff zunächst nicht richtig und beschädigte zu allem Überfluss Packungen. „Seit gestern Nachmittag funktioniert das Gerät wieder“, sagt Eckert. Wahrscheinlich sei die Ursache nur ein Kabelbruch gewesen.

Der Ärger ist damit aber nicht vorbei: Für die Fehlersuche und Justierung wurde der Kommissionierer teils geleert. Nun ist er nur noch mit etwa 1000 von ursprünglich rund 5000 Arzneimitteln befüllt. „Wir müssen jetzt bei laufendem Betrieb die 4000 Packungen händisch einscannen und einsortieren lassen“, so Eckert.

Ihr bitteres Fazit: „Der Schaden, der entstanden ist, kann nicht beziffern werden. Man hat uns elf Tage in der Luft hängen lassen.“

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