ApoRetro – Der satirische Wochenrückblick

Team ersetzt: Roboter übernehmen Pilot-Apotheke

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Berlin -

Gute Nachrichten für alle Apotheken, die seit Jahren händeringend nach Personal suchen: Der Fachkräftemangel ist offiziell abgesagt. Die Fachkräfteengpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit zeigt: Apotheker:in und PTA sind keine Engpassberufe mehr. Außerdem können viele Tätigkeiten ersetzt werden. Wer braucht schon empathische Beratung, wenn modernste Technologie wie der „Rabattvertrags-Diskutier-Avatar“ blechern entgegnet: „Es ist exakt derselbe Wirkstoff, nur eine andere Packung.“

In ihrer algorithmischen Weisheit hat die Behörde festgestellt, dass der Apothekerberuf zu 47 Prozent durch Computer oder computergesteuerte Maschinen ersetzbar ist – bei PTA sind es sogar knapp 80 Prozent der Aufgaben. Die Arbeitsvermittler:innen haben auch schon einen Masterplan entwickelt, wie das pharmazeutische Personal durch modernste Technologie und vollautomatisierte Berufsbilder ersetzt werden kann.

Apotheker:innen verbringen im Alltag viel Zeit mit bürokratischen Aufgaben. Das kann jede Excel-Tabelle besser, das weiß auch Apotheker Helmut Skiskibowski aus Eggenborn. In seiner Apotheke Zum goldenen Roboter – dem Pilotprojekt des Arbeitsamtes – übernehmen nach den Vorgaben der Bundesagentur für Arbeit Roboter einen Großteil der Maschinen. Den Umbau hat sich der Apotheker einiges kosten lassen. Doch schon am Eröffnungstag zeigt sich, dass die Maschinen den Kunden nicht standhalten.

Wie jeden Montag kommt die 84-jährige Hertha Krause in die Apotheke. Sie ist seit Jahren Stammkundin von Skiskibowski. Ihr Dackel muss draußen bleiben – denn er hat Durchfall. Dagegen will Frau Krause ein Arzneimittel. Lang und breit erklärt sie die verschiedenen Konsistenzen, die der Stuhlgang des geliebten Vierbeiners in den letzten Tagen durchgemacht hat. Und ganz nebenbei beschwert sich Frau Krause noch über die Nachbarin, die die Mülltonnen nicht rausgestellt hat, die Kinder, die viel zu laut im Hof spielen und dann ist da noch der Klatsch und Tratsch vom Wochenende. Ohne Punkt und Komma redet Frau Krause ganze 25 Minuten – bis ihr Gegenüber – der Roboter „Empathie 3000“ in Rauch aufgeht und den Fehler 404 anzeigt.

Skiskibowski springt dazwischen und schiebt den Roboter hektisch zur Seite, da erwischt ihn auch schon ein Klecks Basiscreme aus der Rezeptur. Salben-Rührroboter „Klumpenfrei 2.0“ ist mit dem Spatel abgerutscht und hat dabei das Standgefäß umgeworfen. Skiskibowski schickt seinen Wischroboter ins Rennen, doch der erleidet einen Kurzschluss und der Apotheker muss selbst den Wischmopp schwingen.

Immerhin an Kasse 2 läuft alles glatt. Der „Rabattvertrags-Diskutier-Avatar“ hat übernommen und erklärt in Endlosschleife, dass die Kasse das gewünschte Präparat nicht bezahlt und das Rabattarzneimittel geliefert werden muss. „Das ist das, was die Kasse zahlt. Ist derselbe Wirkstoff, nur von einer anderen Firma.“ Ganz nebenbei wird ein Lavendelduft versprüht, der den Kunden ganz handzahm macht. Skiskibowski atmet auf. Und auch der Impfroboter läuft. Kund:innen wählen am Selbstbedienungsterminal die gewünschte Impfung aus und schon fliegt die Spritze zielgenau in den Musculus deltoideus am Oberarm des Impflings.

Doch es gibt Probleme an Kasse 4 – der Roboter kann das handschriftlich ausgestellte Rezept nicht lesen. Hausarzt Schultze stellt noch immer rosa-Rezepte handschriftlich aus. Wenn eine Verordnung aussieht, als hätte eine Spinne versucht, Yoga auf dem Papier zu machen, kann nur PTA Lisa helfen. Doch die arbeitet jetzt beim Arbeitsamt.

Wie auch immer – Digitalisierung ist in der Apotheke längst angekommen. Eine Apotheke ohne Apotheker:innen, PTA und PKA können und wollen wir uns aber nicht vorstellen.

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