Heilpraktiker

Spahn will fragwürdige Therapien verbieten APOTHEKE ADHOC, 10.11.2018 09:26 Uhr

Berlin - Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will nach einem Bericht der Süddeutschen Zeitung und des NDR verbieten, dass Heilpraktiker Patienten mit selbstgemixten Arzneien und fragwürdigen Frischzellen-Therapien behandeln. Manche Heilpraktiker spritzen Patienten Extrakte aus tierischen Organen. Dies hält Spahn für eine gefährliche Therapie, die er stoppen möchte.

Laut aktuellem Forschungsstand sind Frischzellen nicht nur nutzlos, sondern auch gefährlich. Im Jahr 2014 steckten sich zum Beispiel in Rheinland-Pfalz mehrere Patienten und Klinikmitarbeiter mit der hochansteckenden Schafkrankheit Q-Fieber an. Sie kann zu Lungenentzündung, Herzmuskelentzündung und auch zum Tod führen. Die sogenannten Frischzellen-Therapien werden als „Anti-Aging-Kur“ oder zur „Stärkung er Immunabwehr“ angepriesen. Privatkliniken locken mit diesen und ähnlichen Versprechen zum Teil schwer kranke Menschen aus aller Welt an. Sie erhoffen sich mit den Kuren unter anderem Heilung oder Linderung von Krankheiten wie Parkinson oder Multipler Sklerose.

Spahn sagte gegenüber Süddeutscher Zeitung und NDR: „Patienten müssen sicher sein können, dass ihnen Arzneimittel nicht schaden. Deshalb werden wir Herstellung, Verkauf und Anwendung von Frischzellen verbieten. Und deshalb sollen verschreibungspflichtige Arzneimittel künftig nur noch im Ausnahmefall von Heilpraktikern hergestellt werden dürfen.“ Er plant, das Arzneimittelgesetz entsprechend zu ändern.

Frischzellen-Therapien sind in fast allen Ländern der Welt seit Jahren verboten. Auch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) kam zu dem Schluss, dass sie gefährlich sind, ebenso das Paul-Ehrlich-Institut (PEI). Trotzdem scheitern Verbotsversuche in der Bundesrepublik seit Jahren. Als Grund dafür nennt die SZ wirtschaftliche Motive. In manchen Bundesländern wolle man nicht auf die Privatkliniken und ihre Kunden aus aller Welt verzichten. Das Spahn-Ministerium plant außerdem, dass Heilpraktiker nur noch in Ausnahmefällen Arzneimittel selbst herstellen dürfen. Dafür müsse das Arzneimittelgesetz geändert werden. Bislang war das für Angehörige nichtärztlicher Heilberufe möglich.

APOTHEKE ADHOC Debatte

Neuere Artikel zum Thema

Weiteres
Markt

Vergleich

Xarelto: Bayer zahlt Hunderte Millionen»

WIRKSTOFF.A

Experte erklärt eRezept. Alles, was Sie wissen müssen»

E-Rezept: Milliardenträume bei Zur Rose

„So eine Chance hat man nur einmal im Leben“»
Politik

CDU-Landtagsfraktionssitzung

Spahn für Masern-Impfpflicht in Kitas und Schulen»

Lieferengpass

Oxytocin: Spahn ruft Versorgungsengpass aus»

Masern

Impfpflicht-Vorstoß: Grüne skeptisch»
Internationales

CBD-Produkte

CVS steigt ins Cannabis-Geschäft ein»

Erfolg mit E-Rezept

Tschechien: Ministerium will Rx-Versand zulassen»

USA

Apothekenkette Shopko ist am Ende»
Pharmazie

AMK-Meldung

Salofalk muss zurück»

Rote-Hand-Brief

Kein Elvitegravir und Cobicistat in der Schwangerschaft»

Zweites Halbjahr 2018

BfArM: 185 Medikationsfehler direkt gemeldet»
Panorama

Digitalkonferenz

VISION.A: Der Video-Rückblick»

Alternativmedizin

Drei Tote: Heilpraktiker vor Gericht»

Nachtdienstgedanken

Gute Doku, schlechte Doku»
Apothekenpraxis

Drei Schwangerschaften in einem Jahr

Eine Apotheke und drei Babys»

Kritik an Mondpreisen

Apothekenkundin: Zornesröte wegen Notfalldose»

Verfahren um Berufsverbot

Die Würde des Apothekers»
PTA Live

Tumorerkrankung

PTA mit Sehbehinderung: „Ich wollte in den Hintergrund“»

LABOR-Debatte

Apothekerdemo in Berlin: Eure Meinung ist gefragt!»

Apotheken-Konzerte

PTA Kim on Tour: Das sind die Gewinner-Apotheken»
Erkältungs-Tipps

Erkältung

Fließschnupfen vs. Stockschnupfen»

Verwechslungsgefahr

Grippe oder Erkältung?»

Kleine Pflanzenkunde: Kampferbaum

Wissenswertes über Campher»