Beratung rettet Leben

„Dann kann nur die Apotheke vor Ort helfen“ APOTHEKE ADHOC, 23.06.2019 16:05 Uhr

Berlin - Apotheker sind oft Helden des Alltags – doch die Gesellschaft um sie herum vergisst das meist. Das Image des Berufsstandes könnte besser sein. Umso wichtiger, dass die Bedeutung der Apotheke vor Ort ausreichend öffentlich dargestellt wird. Apotheker Mats Sibanc hat das auf Facebook getan und dafür viel Zustimmung geerntet. Gleich in zwei Fällen zeigte er auf: Hätten sich die Patienten an eine Versandapotheke gewandt, hätte das fatale Folgen haben können.

Eigentlich ist es trivial: Sibanc, Inhaber der Löwen-Apotheke im bayerischen Inzell, hat auf Facebook zwei kurze Erlebnisse aus seinem Arbeitsalltag geschildert. Doch damit hat er offensichtlich einen Nerv getroffen. Was war passiert? Im ersten Fall kam ein Kunde in die Offizin, der am Vortag ABC-Pflaster bei ihm gekauft hatte. Er habe eine allergische Reaktion auf die Pflaster und wolle, dass sich der Apotheker das mal anschaue. „Er meinte, er hat da rote Stellen und extrem starke Schmerzen“, erzählt Sibanc. Das Pflaster hatte er auf der Schulter, die allergische Reaktion müsste also entsprechend dort sein.

„Nein, nein, die roten Stellen sind in der Mitte“, gibt Sibanc die Worte des Kunden wieder. „Da habe ich ihm erklärt: ‚Das kann gar nicht sein, dass die Allergie auf ein Pflaster sich an einer anderen Stelle am Körper zeigt.‘“ Also forderte er ihn auf, das Hemd hochzuziehen – und erschrak. „Alles war voller roter Bläschen, die fast schon einen kompletten Kreis bildeten“, erinnert er sich. „Ich habe sofort vermutet, dass er eine Gürtelrose hat, und ihn zum Arzt geschickt.“

Zum Glück hatte der Apotheker dabei die Zeit im Blick, denn es war nicht nur bei seinem Kunden, sondern auch ganz buchstäblich kurz vor zwölf – der örtliche Arzt in der 4500-Seelen-Gemeinde drohte in wenigen Minuten zu schließen. Also griff Sibanc zum Telefon und erklärte, dass es ein dringender Fall sei. „Sie sagten dann, sie warten noch auf ihn“, erklärt er. Und er selbst tat es dem Arzt gleich, denn wenig später hätte die Apotheke eigentlich für die Mittagspause geschlossen. „Ich habe dann länger aufgelassen, weil ich ja wusste, dass er gleich wiederkommt. Das tat er auch: mit einem Rezept für Zostex, zwei starke Schmerzmittel und einer Zinkoxid-Salbe – also das volle Programm.“ Doch es sollte noch viel kritischer kommen.

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