Bayern

Waffe im Notdienst – Apothekerin wurde bedrängt

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Berlin -

Kurz vor Weihnachten sorgte eine Apotheke im bayerischen Prien für Schlagzeilen: Zwei Kunden beschuldigten die Apothekerin, sie im Notdienst mit einer Schusswaffe bedroht zu haben. Doch nach den Ermittlungen der Polizei stellt sich die Situation anders dar: Demnach hat die Pharmazeutin in einer Bedrohungssituation aus Besorgnis um ihre eigene Sicherheit zur Waffe gegriffen.

Am 17. Dezember hatte die Apothekerin gegen 13.45 Uhr zwei Kunden mit einer Schreckschusspistole bedroht. Ursprünglich hieß es, das Paar aus einer Nachbargemeinde habe während des Notdienstes Medikamente verlangt, die aus Sicht der Apothekerin kein dringender Bedarf gewesen seien. Nach Angaben der Polizei war die Situation in der Apotheke zunächst völlig unklar.

Wie sich jetzt herausstellte, wurde die Pharmazeutin massiv bedrängt. Nach den Ermittlungen der Priener Polizei hatte das Handeln des Pärchens einen betäubungsmittelrechtlichen Hintergrund: Sie versuchten, an Spritzen zu gelangen, welche die Apotheke jedoch nicht vorrätig hatte. Demzufolge wurden die beiden Kunden von der alleine in den Geschäftsräumen anwesenden Apothekerin nicht eingelassen.

Wenig später verschafften sich beide dann doch Mithilfe einer unwissenden dritten Person Zutritt zur Apotheke, bedrängten die Apothekerin und forderten sie massiv und lauthals zur Herausgabe der Spritzen auf. Auch der mehrmaligen Aufforderung der Apothekerin, die Räumlichkeiten sofort zu verlassen, kamen die beiden laut Polizei nicht nach. Die Apothekerin wusste sich schließlich nicht mehr anders zu helfen und zog die Schreckschusswaffe. Der 25-jährige männliche Kunde befindet sich mittlerweile wegen anderer Verfehlungen in Maßregelvollzug.

Laut APOSCOPE, der Online-Marktforschung entwickelt von den Machern von APOTHEKE ADHOC, ist die Angst der Inhaber und Angestellten vor Raubüberfällen in der Offizin in den vergangenen Jahren gestiegen. Bei insgesamt 40 Prozent der Teilnehmer hat die Angst zugenommen, davon bei 18 Prozent nur ein bisschen, bei 16 Prozent deutlich, bei 6 Prozent ist die Angst sogar sehr viel größer. Für 38 Prozent hat sich das Gefühl nicht verändert. Weniger Angst als vor fünf Jahren verspürt nur etwa jeder Zehnte.

Immerhin 4,4 Prozent der Teilnehmer der Umfrage vom vergangenen Mai gaben an, dass in ihrer Offizin schon Mitarbeiter bedroht und zur Herausgabe von Bargeld oder Medikamenten genötigt wurden. Jede zehnte Apotheke wurde Opfer von Vandalismus, zum Teil mehrfach.

20 Prozent gaben an, Pfefferspray in Reichweite zu haben. Fast ebenso viele Teilnehmer (19 Prozent) erklärten, dass es in ihrer Apotheke spezielle Schulungen für die Mitarbeiter gebe. Auf Videoüberwachung setzen 45 Prozent der Kollegen, 5 Prozent auf einen Ladendetektiv oder Security.

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