Keine Angst vor Retaxationen

Inhaberin erklärt Hochpreiser-Taktik

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Berlin -

Hochpreisige Arzneimittel nehmen in den Apotheken einen immer größeren Umsatzanteil ein. In vielen Apotheken wächst auch die Sorge vor finanziellen Risiken und bürokratischen Fallstricken. Stefanie Jacob, Inhaberin der Apotheke am Schillerplatz in Schifferstadt, erklärt, dass man vor 10.000-Euro-Rezepten keine Angst haben muss – vorausgesetzt, die Struktur stimmt.

Der Trend in der Apothekenlandschaft ist eindeutig: Das Ausmaß der Hochpreiser-Rezepte nimmt zu. Dabei offenbart sich eine wirtschaftliche Schere. Obwohl diese Medikamente absatzmäßig nur einen verschwindend geringen Teil des täglichen Geschäfts ausmachen, bestimmen sie das finanzielle Bild massiv. Laut aktuellen Zahlen der Abda entfallen bereits rund 40 Prozent der GKV-Ausgaben in Apotheken auf hochpreisige Arzneimittel.

Struktur schafft Sicherheit

Für die Apothekenleitung bedeutet das vor allem eines: Ein einzelnes Rezept kann über den wirtschaftlichen Erfolg eines Monats entscheiden. Als Jacob die Apotheke vor fünf Jahren übernahm, stellte sie schnell fest, dass die bestehenden Strukturen für die steigenden Anforderungen nicht optimal passten. Ihr Lösungsansatz war die Einführung einer strikten Prozesssicherheit.

Ein zentraler Baustein ihrer Strategie ist die klare Benennung von Verantwortlichkeiten: Es wurden feste Verantwortliche bestimmt, die sich explizit um die Prüfung der hochpreisigen Verordnungen kümmern. Bei besonders teuren Präparaten wird die Inhaberin oft persönlich hinzugezogen, um die Korrektheit der Formalien final abzusichern, sonst gelte das Vier-Augen-Prinzip. Durch diese festen Abläufe sinke die Hemmschwelle und die Nervosität der Mitarbeitenden im Umgang mit hohen Beträgen, so Jacob.

Diese Vorgehensweise zahlt sich aus: Die Erfolgsquote bei der Vermeidung von Retaxationen gibt Jacob recht und sorgt für ein „gutes Gefühl“ im Team – egal, ob ein Medikament 5 Euro oder 5.000 Euro kostet.

Vorleistung und Liquidität

Neben der formalen Korrektheit ist die Vorfinanzierung das größte Nadelöhr. Wer ein Medikament für 20.000 Euro bestellt, geht massiv in Vorleistung. Hier rät Jacob dazu, alle Optionen der Finanzierung transparent zu prüfen. Sie selbst könne im Notfall auf die Familie als Unterstützer zählen. Viele Apothekenrechenzentren bieten mittlerweile eigene Modelle zur Vorfinanzierung an. Ein Vorteil liegt in der Transparenz: Die Rechenzentren teilten genau mit, welche Zinskosten anfallen. Alternativ bleibt der klassische Weg über die Hausbank, wobei ein Vergleich der Konditionen zwischen Bank und Rechenzentrum für jede Apotheke individuell sinnvoll ist.

Fazit: Keine Angst vor Hochpreisern

Das Beispiel der Apotheke am Schillerplatz verdeutlicht, dass Hochpreiser kein Schreckgespenst sein müssen. Durch eine Kombination aus strenger Rezeptkontrolle, klarer Aufgabenverteilung und einer durchdachten Finanzierungsstrategie ließen sich die Risiken minimieren. Letztlich sei das Management von Hochpreisern eine Frage der Struktur – und die Sicherheit, die daraus entstehe, schützt die Apotheke vor finanziellen Schäden.

Mehr Insights und Tipps für den Umgang mit Hochpreisern in der Apotheke gibt es in der APOTHEKE ADHOC-Webinar-Reihe powered by NOVENTI. Dort erklären Apotheker:innen und Expert:innen, wie die Teams mit teuren Rezepten umgehen und wie Fehler vermieden werden können. Per Klick auf die einzelnen Module können Sie sich kostenfrei anmelden und im jeweiligen Live-Termin Ihre Fragen an die Expert:innen stellen:

Hochpreiser – Modul 1 Prozesse sicher beherrschen

Hochpreiser – Modul 2 Digital & effizient im Team

Hochpreiser – Modul 3 Vom Risiko zur täglichen Praxis

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