Mit dem Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) sind auch die Kompetenzen der Apotheken erweitert worden. Doch die Apothekerschaft will sich nicht darauf ausruhen: Es gibt noch weitere Bereiche, in denen die Offizin die Patienten künftig stärker unterstützen kann. Gleich mehrere Anträge werden beim Deutschen Apothekertag (DAT) besprochen, die neue pharmazeutische Dienstleistungen skizzieren – wie die Einführung der pDL „Wechseljahre“.
„Die Hauptversammlung der deutschen Apothekerinnen und Apotheker fordert den Gesetzgeber auf, im §129 Absatz 5e Fünftes Buch Sozialgesetzbuch (SGB V) den Anspruch von Versicherten um eine pharmazeutische Dienstleistung (pDL) zu erweitern, die eine standardisierte und qualitätsgesicherte ‚Pharmazeutische Beratung Wechseljahre‘ ermöglicht. Diese neue pDL soll Frauen in der (Prä-/Peri-/Post-)Menopause mit einer strukturierten Beratung unterstützen sowie eine Risikoerfassung und präventive Begleitung bieten“, heißt es in einem Antrag der Apothekerkammer Berlin.
Schätzungen zufolge seien rund neun Millionen Frauen in Deutschland in der Peri- oder Postmenopause. Ein erheblicher Anteil der Betroffenen leide dabei unter klimakterischen Beschwerden wie Hitzewallungen, Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen, urogenitalen Beschwerden oder metabolischen Veränderungen. „Diese Symptome können die Lebensqualität, die Arbeitsfähigkeit und langfristig auch die Gesundheit erheblich beeinflussen“, erklärt die Kammer.
Gleichzeitig berichteten viele Frauen von Versorgungslücken, etwa aufgrund langer Wartezeiten auf gynäkologische Termine, begrenzter Beratungszeit in Arztpraxen sowie erheblicher Unsicherheiten im Umgang mit hormonellen und nicht-hormonellen Therapieoptionen, pflanzlichen Präparaten, Nahrungsergänzungsmitteln und präventiven Maßnahmen.
Genau hier könnten Apotheken künftig sinnvoll unterstützen. „Apotheken sind wohnortnahe und niedrigschwellige Einrichtungen der gesundheitlichen Versorgung und verfügen über hohe pharmazeutische Kompetenz insbesondere im Bereich der Arzneimittelberatung, der sicheren Selbstmedikation sowie der Prävention“, erklärt die Kammer. Bereits heute wendeten sich viele der betroffenen Frauen mit Fragen zu menopausalen Beschwerden, zu hormonellen Therapien, zu pflanzlichen Arzneimitteln oder zu Nahrungsergänzungsmitteln zunächst an ihre Apotheke. „Die vorhandene Expertise kann durch eine strukturierte und qualitätsgesicherte pharmazeutische Dienstleistung gezielt genutzt werden“, argumentiert die Kammer.
Die Kammer schlägt eine standardisierte „Pharmazeutische Beratung Wechseljahre in der Apotheke“ vor. Im Rahmen der neuen pDL könne den Frauen in dieser Lebensphase eine strukturierte Beratung, eine Risikoerfassung sowie eine präventive Begleitung angeboten werden. Im Mittelpunkt sollen dabei die strukturierte Erfassung von Beschwerden, die Beratung zur sicheren Anwendung vorhandener Arzneimitteltherapien, die Einordnung von Selbstmedikation und Nahrungsergänzungsmitteln sowie evidenzbasierte Empfehlungen zu Lebensstilfaktoren und Präventionsmaßnahmen stehen.
Ergänzend könnten zudem orientierende Gesundheitsmessungen, etwa zu Blutdruck, Stoffwechselparametern oder ausgewählten Risikofaktoren, Hinweise auf möglichen weiteren ärztlichen Abklärungsbedarf geben. „Die Dienstleistung ist ausdrücklich nicht diagnostisch angelegt und ersetzt keine ärztliche Behandlung, sondern unterstützt die frühzeitige Identifikation relevanter Beschwerden und fördert eine zielgerichtete ärztliche Weiterbehandlung“, betont die Kammer.
Gerade in der Menopause komme es häufig zu Veränderungen der bestehenden Arzneimitteltherapie oder zu zusätzlicher Selbstmedikation, beispielsweise mit pflanzlichen Präparaten, Nahrungsergänzungsmitteln oder hormonellen Therapien. Dadurch entstehen potenzielle Risiken für Wechselwirkungen, Fehlanwendungen oder ineffektive Therapieversuche. Eine strukturierte pharmazeutische Beratung kann hier einen wichtigen Beitrag zur Arzneimitteltherapiesicherheit leisten und die informierte Entscheidungsfindung der Patientinnen unterstützen.
Zusätzlich biete eine solche neue pDL erhebliche präventive Potenziale. „In der Menopause steigt das Risiko für bestimmte chronische Erkrankungen, insbesondere im Bereich des Herz-Kreislauf-Systems, des Stoffwechsels oder der Knochengesundheit. Eine frühzeitige Beratung zu Lebensstilfaktoren, Bewegung, Ernährung, Mikronährstoffversorgung sowie zu präventiven Maßnahmen kann dazu beitragen, langfristige gesundheitliche Risiken zu reduzieren und die Gesundheitskompetenz der Betroffenen zu stärken“, argumentiert die Kammer.
Auch für die Ärzteschaft könne eine strukturierte pharmazeutische Beratung in der Apotheke eine sinnvolle Ergänzung darstellen, denn durch eine qualifizierte Vorberatung, strukturierte Dokumentation und gezielte Weiterempfehlung bei auffälligen Befunden könnten ärztliche Konsultationen zielgerichteter erfolgen und Therapieentscheidungen besser vorbereitet werden. „Damit stärkt die Dienstleistung die interprofessionelle Zusammenarbeit zwischen Apotheken und ärztlicher Versorgung.“
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