Repetitorium Hustenstiller

Vorsicht bei DMP und Terbinafin APOTHEKE ADHOC, 12.03.2018 13:59 Uhr

Berlin - Die Erkältungswelle rollt noch immer. Die Beratung zum Thema läuft in Apotheken auf Hochtouren, dabei ist auch auf die Dauermedikation der Betroffenen zu achten. Dextrometorphan beispielsweise sollte nicht zusammen mit Fluoxetin, Chinidin oder Terbinafin eingenommen werden.

Fall: Ein Kunde klagt über trockenen Husten, die Bronchien seien frei. Da er in der vergangenen Nacht kein Auge zugemacht hat, will er für die kommende Nacht gewappnet sein und verlangt einen Hustenstiller mit Dextromethorphan (DMP). Ein Saft mit dem Wirkstoff habe ihm immer gut geholfen. Im weiteren Gespräch stellt sich heraus, dass der Mann mit Terbinafin-haltigen Tabletten behandelt wird.

Analyse: Terbinafin kann bei gleichzeitiger Einnahme von DMP die Konzentration des Hustenstillers erhöhen und so dessen Nebenwirkungen verstärken. Der Effekt kann auf die Hemmung von CYP2D6 zurückgeführt werden. DMP wird über das Isoenzym metabolisiert und Terbinafin gilt als potenter Inhibitor von CYP2D6. Somit können Erregung, Verwirrtheit, Tremor, Schlaflosigkeit, Diarrhoe und Atemdepression als mögliche unerwünschte Arzneimittelwirkungen auftreten. „Bei Studien an gesunden Probanden, die als schnelle Metabolisierer des Antitussivums DMP identifiziert worden waren, erhöhte Terbinafin das metabolische Verhältnis von Dextromethorphan/Dextrorphan im Urin im Durchschnitt um das 16- bis 97-Fache“, schreibt der Schweizer Hersteller Axapharm in seiner Produktinformation.

DMP dient der symptomatischen Behandlung von Reizhusten. Der Wirkstoff greift im Hustenzentrum des Stammhirns an und zählt somit zu den zentral wirksamen Antitussiva. Eine Kombination mit einem Expektorans wird nicht empfohlen. Einzig möglich wäre den Hustenlöser am Tag und den Hustenstiller zur Nacht zu geben. DMP wird von Jugendlichen auch als Rauschmittel benutzt, da es in einer Dosis von 100 mg Halluzinationen und Euphorie auslösen kann. Zurückzuführen ist der Effekt auf die psychotrope Wirkung: DMP hemmt die Serotoninwiederaufnahme. Daher sollte das Antitussivum nicht mit Fluoxetin oder Paroxetin kombiniert werden.

Terbinafin ist ein Antimykotikum und kann sowohl lokal als auch systemisch angewendet werden. Die Tabletten sind zur Behandlung von Pilzinfektionen der Haut und der Nägel zugelassen, wenn angesichts der Schwere und Ausbreitung der Erkrankung eine orale Therapie als angemessen erscheint. Denn die Einnahme kann mit schwerwiegenden Nebenwirkungen verbunden sein. Sehr häufig sind beispielsweise Übelkeit, Bauchschmerzen, Durchfall oder Hautausschläge. Dokumentiert wurde auch eine Hepatoxizität im Zusammenhang mit Terbinafin. Die Leberwerte der Patienten sollten daher regelmäßig überwacht werden.

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