Stillzeit

Verbraucherzentrale: NEM überflüssig und überdosiert

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Berlin -

Ergebnis nach Produktcheck: „Nahrungsergänzungsmittel (NEM) für Stillende sind oft überdosiert und meistens unnötig.“ Zu diesem Resultat kam die Verbraucherzentrale Hamburg, die anlässlich der heute startenden Welt-Stillwoche 14 Stichproben kombinierter NEM für Stillende untersuchte.

Im Test waren insgesamt 14 Produkte aus Apotheke, Drogerie und Lebensmitteleinzelhandel (LEH). Darunter die Rossmann-Eigenmarke Altapharma Schwangerschaftsvitamine und DHA, alphabiol Schwangerschaft, Das gesunde Plus A-Z Mama (dm), Doppelherz aktiv Nährstoffe für Schwangere und Mütter (Queisser), Doppelherz System Schwangere und Mütter DHA +EPA + Folsäure (Queisser), Elevit 2 (Bayer Vital), Femibion 2 (Merck), Folio Phase 2 (Steripharm), Lactonatal +DHA (DenkPharma), Materna DHA (Nestlé), MensSana Multi für Schwangere + DHA (MensSana), Orthomol natal (Orthomol), tetesept Femi Baby (Merz) und Velnatal Plus (Exeltis). Die Produkte variieren im Preis zwischen 5 Cent und 1,87 Euro pro Tagesportion. „Für Stillende ist dabei nicht ersichtlich, wodurch die Variabilität zustande kommt und ob diese gerechtfertigt ist“, schreibt die Verbraucherzentrale.

Im Test wird die Gefahr möglicher Überdosierungen ersichtlich. Der Fakt ist nicht zuletzt der Tatsache geschuldet, dass einige der Stichproben sowohl für Schwangere als auch Stillende bestimmt sind. Die unterschiedlichen Lebenssituationen gehen jedoch mit einem unterschiedlichen Nährstoffbedarf einher. Außerdem müsse die individuelle Nahrungssituation berücksichtigt werden. Neun der 14 NEM überschreiten gar die Höchstmengenempfehlungen für Selen, Zink oder Folsäure des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR). Für Zink wurde bei einigen Supplementen eine Überschreitung um das Vierfache festgestellt.

Kupfer, Mangan, Eisen und Vitamin D sind zwar in einigen Produkten enthalten, aber nicht unbedingt in der Stillzeit empfohlen – ausgenommen es liegt ein nachgewiesener Mangel vor. Andere Inhaltsstoffe wie Multinährstoffe seien sogar überflüssig. DHA sei nur bei fischfreier Ernährung notwendig, urteilt die Verbraucherzentrale.

Kritisiert werden nicht nur die Inhaltsstoffe in Bezug auf Vitamine, Mineralstoffe & Co., sondern auch die zum Teil enthaltenden Zusatzstoffe wie Farbstoffe, Trenn-, Verdickungs- und Feuchthaltemittel, Süßstoff oder Gelatine.

Verbrauchern falle es bei der Vielzahl der Produkte schwer, den Überblick zu behalten und sich zu orientieren. Die Verbraucherzentrale kritisiert zudem die „blumigen Formulierungen ohne Mehrwert oder widersprüchliche Angaben zum Nutzen über die Ernährung hinaus“. „Der erhöhte Bedarf kann auch durch eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung gedeckt werden.“

Das Fazit der Experten: „Nahrungsergänzungsmittel in der Stillzeit liefern wenig Mehrwert und bewirken im schlimmsten Fall das Gegenteil von dem, was Frauen in dieser Phase wünschen: sich und ihrem Kind etwas Gutes zu tun.“ Ungeachtet dessen ist die Nachfrage nach NEM In Schwangerschaft und Stillzeit groß. Die Verbraucherzentrale sieht das „mangelnde Wissen darüber, was eine ausgewogene Ernährung leisten kann und die ausgefeilten Kommunikationsmaßnahmen der Unternehmen“ als Ursache, „dass die Supplemente auch weiterhin in den Regalen von Apotheken, Drogerien und Supermärkten stehen“. Im vergangenen Jahr kritisierte auch Öko-Test Suplemente für Schwangere. Kein Produkt sei uneingeschränkt zu empfehlen.

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