Nahrungsergänzung

Veganerinnen: In Stillzeit B12 substituieren

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Berlin -

Sich vegan ernährende Menschen müssen genau darauf achten, dass sie genügend Calcium, Vitamin D, Jod und vor allem Vitamin B12 zu sich nehmen. Besonders Stillende haben einen erhöhten Bedarf an Vitamin B12. Wenn sie sich vegan ernähren wollen, sollte der Kinderarzt davon wissen. Denn dann kann er beim Baby regelmäßig den Spiegel überprüfen. In den meisten Fällen reiche es aus, wenn die Mutter das Vitamin zusätzlich einnimmt, erklärt Dr. Hermann Josef Kahl vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte.

Auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) nimmt sicherheitshalber Abstand von einer Empfehlung zur veganen Ernährung in Schwangerschaft und Stillzeit. Ein Verzicht auf tierische Lebensmittel erhöhe das Risiko für Nährstoffdefizite und Gesundheitsstörungen. Entscheiden sich Schwangere und Stillende dennoch für ein Weglassen, sollten sie Vitamin B12 supplementieren, sich nährstoffreich ernähren und regelmäßig eine Blutkontrolle vornehmen lassen.

Die junge Mutter muss nicht nur ihren eigenen Bedarf an Vitamin B12 decken, sondern auch den des Kindes. Die Muttermilch enthält viel B12 und kann somit zu einer gesunden Entwicklung von Nerven, Gehirn und Körper des Neugeborenen beitragen.

Vitamin B12 kommt in tierischen Produkten wie Fleisch, Fisch, Milch und Eiern sowie in Innereien vor. Da Veganer auf all das verzichten, nehmen sie in der Regel zu wenig Vitamin B12 auf. Schwangere und Stillende sollten etwa 3,5 bis 4 Mikrogramm zuführen. Aber nicht jeder kann das Vitamin gleich gut aufnehmen. Chronisch entzündliche Darmerkrankungen oder die Einnahme von Medikamenten wie Protonenpumpenhemmer können die Resorption beeinträchtigen.

Der Körper benötigt für die Aufnahme von Vitamin B12 den sogenannten Intrinsic Factor. Er wird in den Belegzellen der Magenschleimhaut gebildet. Dieses Transporteiweiß bindet den Vitalstoff und wird für die Resorption über die Darmschleimhaut benötigt. Aber auch wenn genügend Intrinsic Factor zur Verfügung steht, kann die Aufnahme gestört sein, denn die Bindung von Faktor und Rezeptoren im Darm ist calciumabhängig. Jedoch können nur etwa 1,5 bis 2 Mikrogramm über das Glykoprotein aufgenommen werden, der Rest gelangt mittels passiver Diffusion in die Zellen. Gespeichert wird Vitamin B12 in der Leber.

Vitamin B12 ist an verschiedenen Stoffwechselvorgängen wie dem Abbau bestimmter Fettsäuren beteiligt. Cobalamin wird für die Blut- und Myelinbildung sowie zur Umwandlung von Folsäure in die aktive Form benötigt. Somit kann ein Defizit an Vitamin B12 auch indirekt zu einem Folsäuremangel führen.

Ein Defizit an Vitamin B12 macht sich bei einem Säugling zum Beispiel nach vier bis etwa sechs Monaten durch Wachstumsstörungen, Blutarmut und Muskelschwäche bemerkbar. Wird der Mangel nicht rechtzeitig erkannt, können Schäden zurückbleiben. Auffälligkeiten können Entwicklungsstillstand, Verlernen bereits erworbener Fähigkeiten, geringe Bewegungsaktivität, Gewichtsstillstand oder -verlust durch verminderte Nahrungsaufnahme sein. Aufschluss über einen Mangel kann dann eine Bluttest beim Arzt geben.

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