Berlin -

Apotheken suchen vielerorts Wege, Personal zu finden. Doch pharmazeutische Fachkräfte sind seit Jahren knapp. Brisant wird die Situation, wenn immer mehr PTA-Schulen wegfallen – wie in Hessen. Dort spitzte sich die Lage zuletzt deutlich zu. Inhaber klagen über fehlende Ausbildungsmöglichkeiten, die sie willigen Schüler-Praktikant:innen empfehlen können. Doch es tut sich etwas. In Hessisch Lichtenau soll eine neue PTA-Schule entstehen.

Der Notfallsanitäter Thomas Freiberg beschäftigt sich aktuell mit Galenik und Arzneimittelkunde. Für den Schulleiter der Rettungsdienstschule Hessisch Lichtenau des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) sind das eigentlich ungewöhnliche Fächer, doch Freiberg hat eine Vision. Vor zwei Jahren sei die Idee entstanden, nicht nur die Rettungsdienstschule in Nordhessen zu vergrößern, sondern ein Ausbildungszentrum für mehrere Gesundheitsberufe aufzubauen, sagt er.

Das DRK erfuhr über einen Apotheker, dass es seit dem Wegfall der Ausbildungsgänge in Kassel und in Marburg eng für angehende PTA geworden ist. Für Inhaber wurde es zum Problem, interessierte Schulabgänger weiterzuvermitteln. Denn die jungen Menschen seien oft noch in der Region verwurzelt und es könne ihnen nicht zugemutet werden, für die Ausbildung so weite Strecken zu fahren. Aktuell gibt es in dem Bundesland nur in Idstein und Frankfurt über die Ludwig Fresenius-Schulen die Möglichkeit, eine PTA-Ausbildung zu beginnen.

Zu viele PTA-Interessenten, zu wenig Plätze

Auch der Hessische Apothekerverband (HAV) kennt die Problematik. Besonders seit dem Wegfall des Schulgeldes vor zwei Jahren, habe sich die Nachfrage nach der Ausbildung erhöht, sagt eine Sprecherin. „Seitdem haben wir einen Andrang.“ Früher habe es das Problem gegeben, Schüler zu finden. Heute fehlen die Schulplätze. „Unter anderem im Rahmen seiner Mitarbeit im hessischen Gesundheitspakt verweist der HAV regelmäßig darauf, dass die PTA-Schulen in Hessen den Bedarf an Mitarbeitenden in den Apotheken kaum decken können, und erwartet hier politische Unterstützung.“ Zudem werde das Gespräch mit Schulträgern gesucht, da sie letztlich über die Errichtung neuer Ausbildungsgänge entschieden.

In Hessisch Lichtenau soll eine neue PTA-Schule entstehen. Heute Abend soll die Mitgliederversammlung des Kreisverbands Witzenhausen über den Kauf eines geeigneten Grundstückes abstimmen. Dafür werde ein sechssstelliger Betrag investiert. Freiberg ist zuversichtlich, dass sein Projekt Form annehmen wird. Die Pläne für die neue Rettungsdienst-Schule seien fertig, die PTA-Ausbildung sein noch in Planung. „Wir sind erstaunt über den Zuspruch für die PTA-Ausbildung.“ Das Regierungspräsidium und der Apothekerverband unterstützten das Vorhaben.

Als mögliche neue Schulleiterin sei man mit Bärbel Meißner in Kontakt. Die PTA und Apothekerin leitete bereits die Frankfurter PTA-Schule und helfe bei der Planung mit. Freiberg geht davon aus, dass Ausbildungsplätze für 20 bis 25 Schüler:innen geschaffen werden können. Bis die Schule öffnet, wird es jedoch noch etwas dauern. „Wir hoffen, dass wir 2022 den 1. Spatenstich hinkriegen“, sagt er.

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