Gynäkologen: Zu häufig Pillen mit hohem Thromboserisiko

, Uhr

Berlin - Das Paul-Ehrlich Institut (PEI) hat das Thromboserisiko durch die Einnahme von oralen Kontrazeptiva analysiert. Als Grundlage dienten Krankenkassendaten von Frauen bis zum 20. Lebensjahr. Im Ergebnis zeigte sich, dass Thrombosefälle verhindert werden könnten, wenn sich das Verschreibungsverhalten von Gynäkolog:innen ändern würde.

Das potenzielle Risiko eines thromboembolischen Ereignisses durch die Pille stellt für immer mehr Frauen einen Grund dar, die Verhütungsmethode zu wechseln. Hormonfreie Optionen erlangen seit einiger Zeit mehr Beliebtheit. Hierzu könnte auch der Rechtsstreit um mögliche Gesundheitsgefahren durch die Einnahme der Verhütungspille „Yasminelle“ (Ethinylestradiol/Drospirenon, Bayer) beigetragen haben. Einige Betroffene gingen an die Presse. Die Folgen wurden öffentlich gemacht. Das PEI hat sich im aktuellen Bulletin zur Arzneimittelsicherheit mit dem Thema näher auseinandergesetzt.

Einteilung in Risikoklassen

Das Institut stützt sich bei seiner Betrachtung auf Krankenkassendaten. Die Pille kann bis zum 20. Lebensjahr zu Lasten der GKV verordnet werden ­ dementsprechend begrenzt sich die Analyse auf die Altersgruppe bis zum 20. Lebensjahr. KHK – also kombinierte hormonelle Kontrazeptiva – sind die am weitesten verbreitete Verhütungsmethode. Allein 2018 wurden 210 Millionen definierte Tagesdosen (DDD) abgegeben. Diese Abgaben lassen sich in drei Thrombose-Risikoklassen einteilen.

  • Risikoklasse 1 (niedriges Risiko): Levonogestrel, Norethisteron, Norgestimat
    • 5 bis 7 VTE-Ereignisse pro 10.000 Frauen
  • Risikoklasse 2 (mittleres Risiko): Etonogestrel, Norelgestromin
    • 6 bis 12 VTE-Ereignisse pro 10.000 Frauen
  • Risikoklasse 3 (hohes Risiko): Drospirenon, Gestoden und Desogestrel
    • 9 bis 12 VTE-Ereignisse pro 10.000 Frauen
    • 9 bis 11 VTE-Ereignisse pro 10.000 Frauen bei Dienogest

VTE steht für venösen Thrombembolie. Dieser Begriff beinhaltet sowohl tiefe Venenthrombosen (TVT) wie auch Lungenarterienembolien (LAE).

Yasminelle (Bayer) enthält Drospirenon und fällt somit in die Risikoklasse 3. Weitere Pillen, die in die Risikoklasse 3 fallen, sind beispielsweise Valette (Dienogest) mit den dazugehörigen Generika (Maxim, Jenapharm und Velafee Exeltis) sowie Alessia von Hexal, diese Pille enthält Gestoden. Für die Wirkstoffe Chlormadinon und Nomegestrol liegen keine Daten zum VTE-Risiko vor, das PEI stuft sie deshalb ebenfalls in die Risikoklasse 3 ein. Hierzu gehören beispielsweise die Präparate Bellissima (Meda), Belara (Gedeon Richter) und Minette (Dr. Kade).

Lesen Sie auch

APOTHEKE ADHOC Debatte

Weiteres
Bärbel Bas als Bundestagspräsidentin
Gesundheitspolitikerin führt den Bundestag»
Koalitionsverhandlungen
Geheimsache Gesundheitspolitik»