Fachkräftemangel

PTA „light“ für Tansania

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Berlin -

Nicht nur in Deutschland sind PTA Mangelware. Auch Tansania hat zu wenige pharmazeutische Fachkräfte. Mit einem neuen Ausbildungsprogramm an den vier größten PTA-Schulen des Landes sollen jetzt in nur einem Jahr sogenannte Dispenser auf die Arbeit in Apotheken vorbereitet werden.

Die einjährige Ausbildung solle dem Engpass an Fachkräften entgegenwirken, erklärt Christine Häfele-Abah. Sie hat an der Umstrukturierung der PTA-Ausbildung in Tansania für die Hilfsorganisation Action Medeor mitgewirkt. Das neue Programm ist dazu gedacht, pharmazeutisches Personal auszubilden, das schnell auf dem Arbeitsmarkt verfügbar ist und die Routineversorgung übernehmen kann. Dazu zählen beispielsweise die Medikamentenabgabe und Lagerhaltung sowie das Herstellen von flüssigen Arzneimittelzubereitungen. Derzeit werden diese Aufgaben besonders in ländlichen Gebieten meist von Krankenschwestern ausgeführt.

Zu den Inhalten der zweisemestrigen Ausbildung zum Dispenser gehören Module zu Darreichungsformen, Krankheitsprävention, Physiologie, Grundlagen der Pharmakologie und anorganischen Chemie. Auch ein Rezepturpraktikum zu flüssigen Präparaten ist im Stundenplan vorgesehen. „Das Programm bereitet vor allem auf die Arbeit in Krankenhausapotheken vor, denn die sind in Tansania verbreiteter als öffentliche Apotheken“, sagt Häfele-Abah.

Mit einem Zuschuss in Höhe von 418.000 Euro von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) sowie den Pharmakonzernen Bayer, Boehringer-Ingelheim und Merck soll die Ausbildung an den vier größten PTA-Schulen Tansanias unterstützt werden. Die Organisation Apotheker helfen steuerte weitere 12.500 Euro zum Neubau bei. Weitere Spenden seien erwünscht: „Die PTA-Schüler zahlen zwar Schulgebühren, aber diese reichen nicht aus, um die Lehre zu finanzieren“, so Häfele-Abah.

Die Kilimanjaro School of Pharmacy (KSP) in Moshi soll zur „Musterschule“ für die umstrukturierte PTA-Ausbildung ausgebaut werden. Von den Geldern erhielt die KSP beispielsweise ein neues Labor- und Bibliotheksgebäude. Zum kommenden Schuljahr, das Ende August beginnt, sollen 100 neue Schüler aufgenommen werden – 50 angehende Dispenser und 50 in den zwei weiteren angebotenen Ausbildungsgängen.

Denn abgesehen von der Ausbildung zum Dispenser bieten die PTA-Schulen weiterhin die bereits gängigen Abschlüsse an: Dazu zählt der Pharmaceutical Assistant, der von der Qualifikation etwa einem Apothekenhelfer entspricht, sowie der Pharmaceutical Technician, der mit dem deutschen PTA vergleichbar ist. Während das Berufsziel Assistant nach zwei Jahren Unterricht erreicht ist, müssen Technicians drei Jahre zur Schule gehen.

Zudem wurden die Lehrpläne der vier PTA-Schulen untereinander harmonisiert. Darüber hinaus sind die drei verschiedenen Ausbildungen nun modular aufgebaut. So ist es möglich, nach dem Dispenser-Abschluss und einer Berufsphase jederzeit in die Ausbildung zum Helfer oder PTA einzusteigen. „Die neuen Curricula sollen die Qualität der PTA-Ausbildung in Tansania erhöhen“, sagt Häfele-Abah. Die Lehrplöne seien von den beteiligten Schulen sowie dem zuständigen Pharmacy Council umstrukturiert worden.

Deutsche Pharmazeuten werden den PTA-Unterricht in Tansania nicht übernehmen. „Wir wollen die lokalen Lehrer fördern. Außerdem werden die PTA oft in Kisuaheli und nicht auf Englisch unterrichtet“, sagt Häfele-Abah. Die tansanischen Apotheker werden allerdings in Workshops von deutschen Kollegen geschult. „Von Merck gibt es beispielsweise ein Kofferlabor, mit dem Arzneimittel auf Fälschung untersucht werden können. Wir schulen das pharmazeutische Personal in Tansania darin, mit dem Mini-Labor umzugehen“, so Häfele-Abah.

Patienten in Tansania würden sich häufig mit Infektionskrankheiten an PTA und Apotheker wenden. Malaria sei verbreitet, berichtet sie. Kinderkrankheiten oder akute Infektionen mit Durchfall kämen ebenfalls oft vor. Weil es von der Erkrankung zur Diagnose und Therapie oftmals lange dauere, führten auch gut behandelbare Infektionen teilweise zum Tod. „Und auch nichtinfektiöse Krankheiten wie Diabetes oder Bluthochdruck nehmen in Tansania zu“, sagt Häfele-Abah.

Ein großes Problem in der Arzneimittelversorgung in Tansania sei die zeitnahe Beschaffung der passenden Medikamente, berichtet Häfele-Abah. Es gebe nur einen staatlichen Großhändler. „Oft sind die Bedarfsanalysen der Gesundheitsversorger schlecht. Kurzfristige Bestellungen können nicht immer bedient werden, weshalb wichtige Arzneimittel fehlen“, sagt sie. Das sorge bei Händlern und Gesundheitspersonal gleichermaßen für Frustration. „Dieses Managementproblem könnte behoben werden, wenn in allen Stellen, die Arzneimittel abgeben, Apotheker oder PTA die Bestellung übernehmen würden“, sagt Häfele-Abah.

Im Jahr 2010 gab es 6888 pharmazeutische Einrichtungen in Tansania. Bei nur etwa einem Zehntel davon handelt es sich um öffentliche Apotheken. Der Großteil der Arzneimittelversorgung in Tansania läuft über staatliche und kirchliche Gesundheitseinrichtungen, darunter 241 Krankenhäuser, 742 Gesundheitszentren und 5680 sogenannte „Dispensaries“, in denen Arzneimittel abgegeben werden.

Nur in schätzungsweise 35 Prozent der Versorgungsstellen arbeitet ausreichend qualifiziertes pharmazeutisches Personal. Laut Action Medeor gibt es in Tansania unter den 40 Millionen Einwohnern 980 Apotheker, 650 PTA und 350 Apothekenhelfer. Diese ziehe es in die Städte; in ländlichen Gebiete mangele es darum besonders an pharmazeutischem Personal, berichtet Häfele-Abah. Es kommen nur wenige Fachkräfte hinzu: 135 PTA und 30 Apothekenhelfer schließen aktuell pro Jahr ihre Ausbildung ab.

Verbreitet sind in Tansania als Verkaufspunkte für Arzneimittel sogenannte „Drug Shops“. Bis vor wenigen Jahren wurden diese Geschäfte gar nicht überprüft; nun werden sie nach und nach als „Accredited Drug Dispensing Outlets“ (ADDOs) unter staatliche Kontrolle gebracht. Die Shops dürfen nur ein beschränktes Medikamentensortiment führen. Die Inhaber der ADDOs müssen als minimale Qualifizierung eine mehrwöchige Weiterbildung durchlaufen. Es ist geplant, dass jeder Shop mittelfristig über einen Dispenser mit der einjährigen pharmazeutischen Ausbildung verfügt.

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