Brandenburg

„Tacheles“: Kammer redet der Landespolitik ins Gewissen Tobias Lau, 04.02.2019 13:27 Uhr

Berlin - Glaubt man dem Urteil vieler Apotheker, ist es um das Gehör der Politik für die Anliegen des Berufsstands nicht so weit her. Die Landesapothekerkammer Brandenburg (LAK) geht deshalb nun neue Wege: Sie wendet sich mit einem Quartalsheft direkt an die Entscheidungsträger der Landes- und Kommunalpolitik. Zwar geht das Apothekensterben zwischen Uckermark und Lausitz langsamer vonstatten als anderswo. Das könnte sich aber bald rapide ändern, denn der Fachkräftemangel ist hier umso drängender. Die LAK hat deshalb eine zentrale Forderung an die Politik.

39 Prozent der Apotheken in Brandenburg könnten innerhalb der nächsten zehn Jahre schließen, nicht aus wirtschaftlichen Gründen, sondern weil sie keinen Nachfolger oder nicht genug Fachkräfte finden, um den Betrieb weiterzuführen. Bis kurz davor – ins Jahr 2025 – müssen demnach 1100 Apotheker und Pharmazieingenieure ersetzt werden. Letztere sind ein spezifisch ostdeutsches Phänomen: Die Ausbildung des DDR-Berufs Pharmazieingenieur wurde 1990, noch kurz vor der Wiedervereinigung, abgeschafft. Die Berufsgruppe schrumpft seit dem kontinuierlich, um 2025 dürften die letzten der heute noch um die 800 Pharmazieingenieure in Rente gehen.

Die alarmierenden Zahlen liegen seit vergangener Woche auf den Schreibtischen mehrerer hundert Landes- und Lokalpolitiker in Brandenburg. An den Ministerpräsidenten, alle Kabinettsmitglieder, Staatssekretäre, alle Landtagsabgeordneten, Landräte, Bürgermeister, die Kreisvorsitzenden der Parteien – kurz: die politische Klasse des Landes –, aber auch an Sozialverbände wie die Arbeiterwohlfahrt oder den Arbeiter-Samariter-Bund hat die LAK ihr neues Magazin „Tacheles“ versendet.

An insgesamt 466 Adressen sei das Magazin bereits verschickt worden, erklärt eine Sprecherin der Kammer. „Wir möchten den Standpunkt der Kollegenschaft ungefiltert an die Entscheidungsträger des Landes herantragen“, sagt sie. Dafür sind vier Ausgaben pro Jahr geplant, die die Kammer in Zusammenarbeit mit einer externen Medienagentur erarbeitet. Jedes Heft soll einen Schwerpunkt haben, für die nächsten beiden Ausgaben gestaltet sich die Themenfindung denkbar einfach: Im Mai ist Europa- und im September Landtagswahl. Zum Auftakt hat sich die Kammer auf das für sie brennendste Problem konzentriert: den Fachkräftemangel.

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