Nicht nur Grippe und Corona

Preis: Politik soll Impf-Apotheken unterstützen

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Berlin -

Am späten Nachmittag wird im Bundestag in 2. und 3. Lesung über das Pflegebonus-Gesetz gesprochen. Per Änderungsantrag sollen Grippeimpfungen in Apotheken in die Regelversorgung überführt werden. Laut Thomas Preis, Vorsitzender des Apothekerverbands Nordhrein (AVNR), ist dies nur der erste Schritt.

Laut Preis sind Impfungen in Apotheken genauso gut wie Impfungen in Arztpraxen. Immerhin müssten die Kolleg:innen eine Schulung absolvieren – was bei Ärztinnen und Ärzten nicht immer der Fall sei. Die Debatte über mögliche Zwischenfälle bezeichnete er bei einer Diskussionsrunde des Herstellers Pfizer als eine „sehr theoretische Diskussion“. Er habe mit vielen Ärzt:innen am Ende ihres Berufslebens gesprochen, die nie einen solchen Fall hatten.

Die Etablierung von Grippeimpfungen in der Apotheke sieht Preis als „großen Schritt – weg von Modellprojekten in die Regelversorgung“. Nun müsse die Politik schnellstens prüfen, welche weiteren Impfungen sie für Pharmazeutinnen und Pharmazeuten freigeben könne. Er sei zuversichtlich, dass es hier bald Bewegung geben werde. Denn alleine bei Grippe, FSME und Pneumokokken gebe es 50 Millionen Menschen, die trotz Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) keinen ausreichenden Impfschutz hätten. „Das ist eigentlich unglaublich.“

Im Grund schwebt ihm ein Modell wie in Frankreich vor, wo Apotheken gegen nahezu alles impfen können. „Wir wollen nicht nur acht Wochen im Jahr mitimpfen. Nein, das ist die Zukunft für die Apotheke.“ Zwar werde nicht jede Apotheke Impfungen anbieten können, da es Voraussetzung hinsichtlich Räumen und Personal gebe. Dennoch sieht der Verbandschef viel Potenzial: Denn nicht nur gebe es immer weniger Ärztinnen und Ärzte. Apotheken seien auch besonders niedrigschwellig zu erreichen – niemand müsse in einem Wartezimmer Platz nehmen, um sich eine Impfung verabreichen zu lassen.

Daher werde man auch darüber sprechen müssen, ob auch PTA unter Aufsicht Impfungen verabreichen dürfen. Das sei in Praxen ähnlich, und man müsse den Assistenzberufen – genauso wie jungen Apothekerinnen und Apothekern – eine interessante Perspektive bieten.

Was Preis sich wünscht, ist mehr Unterstützung von Politik und Kassen, etwa wenn es darum geht, für Impfungen in Apotheken zu werben. „Wir wollen bei der Impfkampagne im Herbst von Anfang an mitgedacht und in einem Atemzug mit den Praxen genannt werden.“

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