Apotheken-Kampagne

„Wir packen’s ohne Plastik“

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Berlin -

Mit einer breit angelegten Plakataktion wollen Apotheker in mehreren Bundesländern ab 1. April für den Verzicht auf Platiktüten werben. Damit soll die Initiative des deutschen Einzelhandels unterstützt werden. Unklar ist allerdings noch, ob Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) die freiwillge Vereinbarung überhaupt akzeptiert. Bislang sind dem Bundesumweltministerium (BMU) die Zusagen der verschieden Verbände nicht verbindlich genug.

Die Kampagne geht vom Landesapothekerverband Baden-Württemberg (LAV) aus. Sie wird auch von den Apothekerverbänden in Thüringen, Nordrhein, Westfalen-Lippe, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt, Niedersachsen, Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern getragen. Durch diese Kooperation wird mehr als jede zweite Apotheke in Deutschland die Aktion begleiten können. „Zum 1. April können die Mitglieder der Apothekerverbände das entwickelte Material in ihren Apotheken zum Einsatz bringen“, so der LAV Baden-Württemberg.

„Es geht dem Ministerium vor allem darum, die Verbraucher zu sensibilisieren, möglichst keine Plastiktüte für den Transport ihrer Einkäufe zu nutzen, um so den Gesamtverbrauch zu senken“, erklärt ein LAV-Sprecher. Deshalb habe man sich in der Kommunikation für den Slogan „Nein danke, ich brauche keine Tüte!“ entschieden – eine klare Botschaft, die direkt vom Kunden ausgehe. „Wir wollen den Apothekenkunden gegenüber keinesfalls oberlehrerhaft auftreten. Im Gegenteil: Wir wollen das gemeinsame Anliegen zum Schutz unserer Umwelt kommunizieren“, so der Sprecher weiter. Deshalb binden das Plakat und die weiteren Materialien mit der Botschaft „Wir packen’s ohne Plastik“ ab. Visualisiert wird das ganze über ein Känguru, das sein Junges im Beutel mit sich trägt.

Hintergrund der Aktion ist die Umsetzung einer EU-Richtlinie zur Reduktion des Verbrauchs an Kunststofftragetaschen, die üblicherweise von Verbrauchern nicht oder nur selten wiederverwertet werden. Bis 2019 soll der jährliche Pro-Kopf-Verbrauch in Deutschland von durchschnittlich circa 200 auf 90, bis Ende 2025 auf maximal 40 Tüten pro Bürger und Jahr sinken. Die Apotheker hatten über ihre Bundesverbände dem Ministerium gegenüber zugesagt, dieses umweltpolitische Ziel aktiv zu begleiten.

Als eine Maßnahme sieht die EU-Richtlinie vor, die Tragetaschen künftig nur noch kostenpflichtig abzugeben. Diese Mechanik greift das Aktionsmaterial ebenfalls. Die Apotheke hat laut dem LAV die Möglichkeit, ihren individuellen Preis für eine Tüte in einem sogenannten „Störer“-Feld einzutragen, das die Überschrift „Zum Schutze unserer Umwelt“ trägt.

Im BMU sieht man die vom Handelsverband HDE angebotete freiwillige Plastiktütengebühr noch skeptisch. Der Vorschlag sieht vor, dass die Einzelhändler eine freiwillige Gebühr für die Kunststoffbeutel erheben. Ob und wie viel Kunden für eine Tüte bezahlen, soll jedes Geschäft dabei selbst bestimmen dürfen. Der Betrag soll nach Plänen des HDE schon ab 1. April erhoben werden.

Mehrere Verbände hatten nur ihre grundsätzliche Bereitschaft zur Mitwirkung angekündigt. Wie der Deutsche Apothekerverband (DAV) hatte beispielsweise die Bäckerinnung eine verbindliche Überprüfung der Erhebung der Gebühr für Plastiktüten abgelehnt. Damit mangelt es aus Sicht des BMU noch an der notwendigen Verbindlichkeit. Es müsse noch weiter gesprochen werden, hieß es zuletzt. Anderenfalls will das BMU mit einer Verordnung für ein Pflichtpfand reagieren.

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