Umweltschutz

Kunden müssen Plastiktüten bald bezahlen

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Berlin -

In Apotheken gibt es Plastiktüten zum Einkauf gratis dazu. Das könnte sich bald ändern: Für Kunststofftaschen sollen Kunden ab April 2016 zahlen. Das betrifft auch die dünnen Beutel aus der Apotheke. Wie hoch die Gebühr ausfällt, soll jedes Geschäft selbst bestimmen dürfen.

Bereits im April hat die EU eine Richtlinie zur Reduzierung des Plastiktütenverbrauchs im Einzelhandel beschlossen. Demnach soll jeder EU-Bürger ab 2020 pro Jahr nur noch maximal 90 Plastiktüten verbrauchen; ab 2026 sogar nur noch 40.

Diese Richtlinie muss in Deutschland bis November 2016 rechtlich umgesetzt werden. Derzeit diskutiert das Bundesministerium für Umwelt (BMUB) mit Handels- und Umweltverbänden eine Gebühr für die Tüten – wie schon jetzt in Supermärkten soll dann für Plastikbeutel in allen Geschäften gezahlt werden.

Der jährliche Durchschnittsverbrauch eines Deutschen liegt aktuell schon bei nur 71 Plastiktüten. Zum Vergleich: Jeder EU-Bürger verwendet im Durchschnitt pro Jahr 198 Tragetaschen. Laut BMUB sind freiwillige Maßnahmen der Betriebe Grund für den hierzulande schon heute vergleichsweise geringen Verbrauch.

Daran will der Handelsverband Deutschland (HDE) anknüpfen: Statt eines gesetzlichen Bezahlpflicht für Tüten will der Verband die EU-Richtlinie mit einer von den Geschäften freiwillig eingeführten Gebühr umsetzen. Bis Ende November will der HDE gemeinsam mit dem BMUB eine erste Vereinbarung über die Plastiktüten-Reduzierung vorlegen, die zum 1. April 2016 in Kraft treten soll. 2018 sollen dann 80 Prozent aller Beutel nur gegen Bezahlung abgegeben werden. Die Höhe der Gebühr soll jeder Betrieb selbst bestimmen dürfen, sie müsse aber „angemessen“ sein, erklärt Stephan Rabl, Referent für Umweltpolitik beim HDE.

Die freiwillige Umsetzung der EU-Richtlinie würde aus Sicht des HDE die unternehmerische Handlungsfreiheit stärken. Zudem würden die Einnahmen aus den Tütenverkäufen bei den Geschäften verbleiben und nicht dem Bund zukommen.

Für besonders dünne Tüten mit einer Wandstärke zwischen 15 und 50 Mikrometern sieht die EU allerdings eine Ausnahme vor: Sie könnten weiterhin kostenlos verteilt werden. Diese sogenannten Hemdchenbeutel gibt es auch in der Apotheke. Aber in Apotheken wird die Ausnahme voraussichtlich nicht greifen, erklärt Rabl: „Die dünnen Plastiktaschen sind nur dann von der Gebühr befreit, wenn durch sie noch schwerwiegenderer Verpackungsmüll vermieden werden kann.“

Das sei beispielsweise bei lose verkauftem Obst der Fall; dünne Tüten seien umweltfreundlicher, als in Plastikschalen verpacktes Obst. Auf die Plastikbeutel der Apotheke treffe das nicht zu: „Mit der Tüte wird kein Verpackungsmaterial eingespart. Im Gegenteil: Apothekenprodukte lassen sich überwiegend problemlos ohne Tüte transportieren“, sagt Rabl.

Bereits jetzt schaffen Apotheken freiwillig mit verschiedenen Projekten Anreize für Kunden, weniger Kunststoffbeutel zu verwenden. Die Pelikan-Apotheke in Reichenbach spendete beispielsweise einen Monat lang fünf Cent für jeden Kunden, der auf die Tüte verzichtete. Ähnlich handhabt es Timo Ried bereits seit März in seinen Ried-Apotheken in Ulm.

Die Apothekenkooperation „Gesund ist bunt“ (GIB) stellt seit September zugehörigen Apotheken Tragetaschen aus dem nachhaltigen Rohstoff Bambus zur Verfügung. Für etwa ein oder zwei Euro können Kunden den Beutel kaufen. Für jeden Apothekenbesuch mit der Tasche erhalten sie einen Stempel; für zehn Stempel gibt es ein kleines Geschenk. 44 der knapp 350 GIB-Apotheken beteiligen sich an der Aktion.

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