Umweltschutz

Baumspende für eingesparte Plastiktüten

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Berlin -

Für viele Apothekenkunden ist eine Plastiktüte zu ihrem Einkauf selbstverständlich. Das schadet der Umwelt, sagte sich Apothekerin Christiane Wohlrab von der Pelikan-Apotheke im sächsischen Reichenbach. Daher spendet die Apotheke nun für jeden Kunden, der auf die Tüte verzichtet, fünf Cent für einen neuen Baum im Stadtpark. Die Wirkung kann sich sehen lassen.

„Wir haben die Idee eigentlich von einer anderen Apotheke übernommen“, verrät Wohlrab. Die Aktion der Engel-Apotheke Ulm ließ sich auf Reichenbach gut übertragen. „Es ist eine Win-Win-Situation: Für die Umwelt, für uns als Apotheke, weil wir weniger Tüten benötigen, und für die Reichenbacher, weil wir einen neuen Baum im Stadtpark finanzieren“, fasst Wohlrab zusammen.

„Die Initiative tut dem Image der Apotheke gut“, findet sie. Die Kunden würden überwiegend positiv reagieren. Viele kämen ohnehin mit einer Tasche in die Apotheke. Die Aktion mache ihnen nun bewusst, dass sie nicht zwingend eine Tüte bräuchten, sagt Wohlrab. „Die meisten sind schon umweltbewusst. Wir stupsen das nur noch etwas an“, sagt sie. Doch das macht sich deutlich bemerkbar: Wohlrab schätzt, dass die Apotheke im Oktober 80 Prozent weniger Plastiktüten als in einem Durchschnittsmonat verbraucht habe.

Mit einigen Kunden sei sie über die Aktion ins Gespräch gekommen. Dabei gehe es nicht immer nur um die Gefahren für die Umwelt, wie etwa Plastikmüll im Meer und daran sterbende Fische. „Manche erinnern sich, dass es zu DDR-Zeiten völlig normal war, mit dem Dederon-Beutel einkaufen zu gehen“, berichtet Wohlrab. Sie kämen nun wieder mit diesen Beuteln oder neueren Stofftaschen in die Apotheke.

Seit dem Aktionsbeginn Anfang Oktober hat die Pelikan-Apotheke etwa 70 Euro gesammelt. Die Spenden stammen nicht nur von den fünf Cent für Tütenverzicht allein; einige Kunden hätten auch noch Kupfergeld hinzugegeben, berichtet Wohlrab. Für einen Baum wird das allerdings noch nicht reichen: Der Verein für städtische Parkanlagen in Reichenbach veranschlagt 250 Euro für eine Baumspende. „Wir werden also noch etwas zuschießen müssen“, erklärt Wohlrab. Der Baum wird im kommenden Frühling gesetzt.

Die Spendensammlung soll auf den Monat Oktober begrenzt bleiben. Wohlrab hofft aber, dass sich ihre Kunden inzwischen schon an den Tütenverzicht gewöhnt haben und dann freiwillig dabei bleiben. „Wenn die EU-Richtlinie für den Tütenverbrauch im Einzelhandel durchgesetzt wird, werden unsere Kunden ohnehin für ihre Plastiktüten bezahlen müssen“, sagt sie.

Derzeit verbraucht jeder Deutsche laut Bundesumweltamt pro Jahr 71 Plastiktüten. Der EU-Durchschnittsbürger verwendet sogar 200 Tüten pro Jahr. Das EU-Parlament hat daher in diesem Jahr eine Richtlinie verabschiedet, die den Verbrauch auf 40 Tüten senken soll.

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