Sinkende Apothekenzahlen

Overwiening: Nur Wertschätzung rettet keine Apotheke

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Berlin -

Im Jahr 2020 wird die Zahl der Apotheken in Westfalen-Lippe erneut sinken: Eine aktuelle Hochrechnung der Apothekerkammer (AKWL) geht von mindestens 43 Schließungen bei nur sieben Neueröffnungen aus. Die Gesamtzahl der Apotheken fällt damit von 1868 auf 1832.

Dass die Zahl der Apotheken nunmehr im 16. Jahr in Folge abnimmt – seither sind 420 Apotheken dauerhaft vom Netz gegangen – bezeichnet Kammerpräsidentin Gabriele Regina Overwiening als alarmierend. In der Corona-Pandemie habe sich gezeigt, wie wichtig die schnelle, sichere und wohnortnahe Versorgung der Patienten mit Arzneimitteln ist und wie sehr auf die Apotheken Verlass war: „Die hohe Wertschätzung für unsere Arbeit ist das eine. Auf dem anderen Blatt stehen aber leider eine inzwischen völlig überbordende Bürokratie und eine nicht auskömmliche Honorierung.“

Die AKWL regt daher an, die für die Corona-Pandemie geltenden Ausnahmeregelungen zu verstetigen. Dazu gehört es beispielsweise, dass Patienten bei Lieferengpässen von Rabattarzneimitteln ein vorrätiges, wirkstoffgleiches Alternativmedikament sofort bei Vorlage des Rezeptes in der Apotheke bekommen können. Dauerhaft sollten die Mehrkosten für teurere Austauschprodukte statt der vorgesehenen Rabattarzneimittel grundsätzlich von der jeweiligen Krankenkasse statt wie bislang vom Patienten selbst getragen werden.

Niveau der 60er-Jahre

Die Zahl der als Filiale betriebenen Apotheken hat sich in diesem Jahr leicht erhöht – um 2 auf 473. Im Umkehrschluss bedeutet dies: Die Zahl der Inhaber ist um 38 auf 1359 gesunken. „Die Zahl der Selbstständigen in unserem Beruf ist damit auf das Niveau der 60er-Jahre zurückgefallen“, bilanziert Dr. Andreas Walter, Hauptgeschäftsführer der AKWL.

Diese Negativtendenz werde nicht nur durch die schwierigen strukturellen Rahmenbedingungen, sondern auch durch den demographischen Wandel verstärkt: Denn fast 500 Inhaberinnen und Inhaber seien 60 Jahre und älter. Jeder zehnte Inhaber ist sogar 70 Jahre und älter: „Wenn wir es nicht schaffen, mehr junge Apothekerinnen und Apotheker für eine selbstständige Tätigkeit zu begeistern, wird es uns nicht gelingen, diesen Trend umzukehren“, befürchtet Walter. „Das apothekerliche Berufsbild und das Aufgabenspektrum sind hochattraktiv. Jetzt müssen wir gemeinsam daran arbeiten, dass es auch solide strukturelle und wirtschaftliche Rahmenbedingungen gibt.“

 

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