Expopharm

Becker: Dankeschön an Gröhe

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München -

Zur Eröffnung der Expopharm 2016 hat der Vorsitzende des Deutschen Apothekerverbandes (DAV), Fritz Becker, die angekündigte Erhöhung des Apothekenhonorars begrüßt und sich bei der Bundesregierung bedankt: „An dieser Stelle möchte ich unseren Gesprächspartnern aus der Politik und dem Bundesministerium für Gesundheit mit Minister Gröhe an der Spitze ausdrücklich dafür danken, dass sie Wort halten und die wirtschaftliche Belastung der Apotheken bei der Zubereitung von Rezepturen und der Abgabe von Betäubungsmitteln mindern.“ Allerdings kämpfe der DAV weiterhin für einen verlässlichen Anpassungsmechanismus für das Fixhonorar.

Beim Fixhonorar sei eine Anpassung „mehr als notwendig, bei den Betäubungsmitteln haben wir ganze 38 Jahre darauf gewartet“, sagte Becker. So erfreulich die Anpassung der Sonderentgelte auch sei, könne sie doch die dringend notwendige Anpassung des Fixhonorars in einem regelmäßigen Verfahren mit einer fairen Methodik nicht ersetzen. Becker: „Nur ein verlässlicher Anpassungsmechanismus verleiht uns langfristige Planungssicherheit und lässt uns an der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung teilhaben.“ Der DAV werde bei dieser Forderung nicht lockerlassen.

Becker kritisierte die Kassen für die flächendeckenden Ausschreibungen zur Zyto-Versorgung. „Individuell hergestellte, auf die kurzfristigen Bedürfnisse der Patienten abgestimmte, parenterale Zytostasen sind heute Goldstandard in der Krebsbehandlung. Hoch spezialisierte Apotheken haben sich darauf eingestellt und versorgen diese schwerstkranken Patienten qualifiziert und kompetent in kürzester Zeit“, so der DAV-Chef.

Diese flächendeckende Individualversorgung für Krebspatienten werde nun durch Ausschreibungen von Krankenkassen massiv in Frage gestellt. Damit werde in letzter Konsequenz auch die Versorgung von Palliativ- und Schmerzpatienten gefährdet. Becker forderte erneut, Zytoausschreibungen zu verbieten und die freie Apothekenwahl wieder herzustellen. Zugleich appellierte Becker an die pharmazeutische Industrie, therapiegerechte Packungsgrößen und transparente Stabilitätsdaten zu schaffen, um das Thema Verwürfe in den Griff zu bekommen.

Eine positive Bilanz zog Becker zum Retax-Thema: Dass sich Engagement und unermüdlicher Einsatz lohnten, zeige die Einigung im Streit um Null-Retaxationen mit dem GKV-Spitzenverband. Das habe große Kompromissfähigkeit erfordert. Becker: „Gewonnen haben jedoch ein großes Stück Rechtssicherheit.“

Problematisch seien die aktuellen Lieferengpässe.Wer in seine Apothekensoftware schaue, finde inzwischen eine „erschreckend lange Liste nicht verfügbarer Arzneimittel“. Auch Impfstoffe und Antibiotika seien zum Teil über Monate hinweg nicht mehr verlässlich beim Großhandel zu beziehen. Für die Apotheken werde es immer schwieriger sicherzustellen, dass aus diesen Lieferengpässen keine Versorgungsengpässe oder gar Notfallsituationen werden.

Becker: „Daher fordern wir die Politik auf, dem Treiben nicht länger zuzusehen und endlich Maßnahmen zu ergreifen, die eine ausreichende Verfügbarkeit von Arzneimitteln sicherstellen. Ausschreibungen müssen so gestaltet sein, dass mindestens zwei pharmazeutische Anbieter den Zuschlag erhalten.“

Dass extremer Preisdruck und rigide Ausschreibungsmodalitäten zu mangelhafter Versorgungsqualität führten, zeige auch der Bereich Hilfsmittel. Das neue Heil- und Hilfsmittelversorgungsgesetz wolle zwar die Qualität der Versorgung verbessern. Allerdings gebe es „große Zweifel“, dass die vorgeschlagenen Maßnahmen geeignet sind, dieses Ziel zu erreichen. Die neuen zusätzlichen Vergabekriterien wie Produktqualität, Beratung und Servicequalität des Leistungserbringers ließen den Krankenkassen so viel Beurteilungsspielraum, dass in der Praxis letztendlich doch der niedrigste Preis den Ausschlag geben werde. Wer den gesetzlich versicherten Patienten Hilfsmittel in guter Qualität ohne Aufzahlungen garantieren wolle, müsse strengere gesetzliche Vorgaben machen und die „Dumping-Versorgungspauschalen abschaffen“.

Zudem bedeuteten die verschärften Dokumentationspflichten erheblichen bürokratischen Aufwand. Becker : „Dies kann schlimmstenfalls dazu führen, dass Apotheken, die verhältnismäßig wenig Umsatz in diesem Markt generieren, aber für die Versorgung in der Fläche wichtig sind, ihre Aktivitäten im Hilfsmittelbereich in Frage stellen.“

Mit Blick auf die Vertraulichkeit der Erstattungsbeträge forderte Becker die notwendigen Informationen für die Apotheker. Man gehe bei einer künftigen Regelung zur Geheimhaltung von Erstattungsbeträgen nur unter einer Bedingung mit: „Die neue Regelung muss für uns praktikabel sein und darf zu keinerlei Mehraufwand oder zusätzlichen bürokratischen Hürden in der Apotheke führen. Zum Zeitpunkt der Abgabe des Arzneimittels muss der Apotheke der für ihre Abrechnung mit der Krankenkasse relevante Preis bekannt sein.

Erneut forderte Becker die Abschaffung der Importquote für Arzneimittel: „Sie ist ein veraltetes Marktsteuerungsinstrument, das in Zeiten der Rabattverträge nur noch minimale Einsparungen erzielt.“ Dabei verursache die Erfüllung der Importquote erheblichen bürokratischen Aufwand in der Offizin und gefährdet noch dazu die Arzneimittelsicherheit für die Patienten.

Die Patientenbetreuung rund um das Arzneimittel biete für die Apotheken „noch ein immenses Potenzial“. Leider werde die Rechtmäßigkeit von Dienstleistungsverträgen vielfach bestritten, so der DAV-Chef. Becker appellierte an den Gesetzgeber, dringend Rechtssicherheit für Dienstleistungsverträge mit Krankenkassen herzustellen. „Lassen Sie uns das pharmazeutische Know-how in den Apotheken noch stärker zum Wohl der Versicherten nutzen.“

Angesichts des demographischen Wandels werde es sich die Gesellschaft in Zukunft gar nicht leisten können, auf zusätzliche Dienstleistungen aus der Apotheke zu verzichten. „Mehr als bedauerlich“ sei daher, dass das neue Anrecht der Patienten auf einen Medikationsplan nur beim Hausarzt eingelöst werden könne. Becker. „Das ist eine krasse politische Fehlentscheidung.“ Nun habe die GKV den Vorteil von Medikationslisten erkannt und sei bereit, die Ärzteschaft für deren Erstellung zu honorieren. Becker: „Daher bin ich der Hoffnung, dass zur Einführung der elektronischen Form des Medikationsplanes in einem Jahr auch wir Apotheker für unsere Mitarbeit bei der Erstellung und Aktualisierung dieses für unsere Patienten so wichtigen Instruments honoriert werden.“

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