BfArM sieht „keinen konkreten Handlungsbedarf“

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Berlin - Galt Deutschland einst als Apotheke der Welt, werden heute die Wirkstoffe zum Großteil in Asien produziert. Aufgrund der SARS-CoV-2-Krise stehen in China vor allem in der Provinz Hubei die Maschinen still. Ob dies potentielle Auswirkungen auf die Arzneimittelversorgung in Deutschland haben könnte, hat das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) in der vergangenen Woche auf dem Jour Fixe zum Thema „Liefer- und Versorgungsengpässe“ bewertet.

Die Experten stellen fest, dass in der der Provinz Hubei zwar Wirkstoffe für den deutschen Arzneimittelmarkt produziert werden. Allerdings sei die Produktion in Hubei für die Versorgung der Patienten hierzulande entweder nicht marktrelevant, da die Substanzen auch in anderen Standorten produziert werden, oder es stünden noch größere Mengen zu Verfügung.

Das Fazit: „Der Jour Fixe sieht daher aktuell keine Hinweise auf eine kurzfristige Einschränkung der Arzneimittelversorgung und keinen konkreten Handlungsbedarf aufgrund von Produktionsausfällen in der betroffenen Provinz Hubei in China.“

Welche Wirkstoffe werden in der Provinz Hubei produziert?

In der Stadt Wuhan – dem Ursprung des neuartigen Coronavirus – werden verschiedene versorgungsrelevante Arzneistoffe produziert, darunter Ibuprofen und Metamizol. Der Engpass bei Ibuprofen ist noch immer nicht überstanden; aktuell fehlen verschiedene Stärken in diversen Packungsgrößen. Weltweit gibt es ohnehin nur sechs Produzenten des nicht-steroidalen Antirheumatikums, deren Marktanteile annähernd gleich verteilt sind. Mit Hubei Biocause Heilen Pharmaceuticals fällt ein Player aus. Für Metamizol halten fünf Hersteller ein sogenanntes CEP-Zertifikat, das für den Vertrieb in Europa notwendig ist – vier in China, unter anderem in Hubei. Nur Sanofi hält ein CEP in Frankreich.

Für Granisetron und Clozapin halten je zwei Hersteller in der chinesischen Provinz ein CEP. Außerdem kommen die als versorgungsrelevant eingestuften Arzneistoffe Docetaxel, Flumazenil, Oxcarbazepin, Metronidazol, Ezetimib und Ticagrelor aus der Region. Weitere in Hubei produzierte aktive Substanzen, die nicht als versorgungsrelevant eingestuft werden, sind Amisulprid, Vinarelbin, Oxaciplatin, Cyproteron, Progesteron, Finasterid, Torasemid und Acetylcystein.

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