Expopharm

Becker: Keine Geschäfte zu Lasten der Patienten Lothar Klein, 13.09.2017 11:49 Uhr

Düsseldorf - Angesichts der Zuspitzung der Situation bei Lieferengpässen von Arzneimitteln hat der Vorsitzende des Deutschen Apothekerverbandes (DAV), Fritz Becker, Apotheker und Großhandel vor Geschäften zu Lasten der Patienten gewarnt: Jeder Einzelne müsse sich fragen, „ob er jedes kurzfristig lukrative Geschäft, das der legale Arzneimittelexport bietet, auch wirklich tätigen muss.“ Die Liste der nichtverfügbaren Arzneimittel habe sich im letzten Jahr „beängstigend“ verlängert.

Leider seien nicht nur substituierbare Standardarzneimittel von Lieferengpässen betroffen. Auch unverzichtbare Medikamente wie Impfstoffe, Antibiotika oder Krebsmittel seien zum Teil „über Monate hinweg nicht mehr verlässlich beim Großhandel zu beziehen“. Becker: „Die Fälle häufen sich, in denen wir nicht mehr optimal versorgen und unsere Patienten trotz aller Bemühungen nur noch zweitbeste Alternativen anbieten können.“ Für ein Industrieland wie Deutschland sei das eine „zutiefst unbefriedigende Situation“.

Beckers Aufruf, auf zweifelhafte Geschäfte zu verzichten, bezieht sich auf immer weder auftauchende Informationen seitens der Hersteller, dass angesichts der Preisdifferenzen in größerem Umfang für den deutschen Markt bestimmte Arzneimittel ins Ausland verkauft werden.

Breiten Raum im Beckers Rede zur Eröffnung der Expopharm nahm das EuGH-Urteil zu Rx-Boni ein. Der DAV-Chef wiederholte die ABDA-Position, dass nur ein Rx-Versandverbot in der Lage ist, einheitliche Preise für rezeptpflichtige Arzneimittel wiederherzustellen. „Dieses Urteil können wir nicht akzeptieren“, sagte Becker. Es sei völlig unverständlich, warum nur so wenige in der Politik die Brisanz des EuGH-Urteils erkannt hätten. Boni unterliefen die zentralen Steuerungsmechanismen des Solidarsystems und gefährdeten die Krankenkassen.

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