Expopharm

Zentgraf: Rabattschlachten müssen aufhören

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Düsseldorf -

Der Vorsitzende des Bundesverbandes der Pharmazeutischen Industrie (BPI), Dr. Martin Zentgraf, konnte leider nicht zur Expopharm-Eröffnung sprechen – Air Berlin hat ihn sitzen gelassen. Doch das Manuskript seiner Rede liegt vor. Darin fordert er die Politik auf, die „Rabattschlachten“ auf dem Arzneimittelmarkt zu korrigieren: Regelmäßige Senkungen der Festbeträge durch die Kassen führten zu „Dumping-Preisen, wodurch Liefer- wie auch Versorgungsprobleme entstehen können. Wir brauchen dringend gesundheitspolitische Reformen, die die regelmäßigen Senkungen der Festbeträge unterbinden.“

Hersteller und Apotheker müssten an einem Strang ziehen, um die Arzneimittelversorgung auf bestmöglochem Niveau zu sichern. Schon längst gebe es im Rabattmarkt keinen finanziellen Spielraum mehr für die Sicherstellung der Lieferkontinuität. „Verschärfte Meldepflichten sind da keine Lösung. Es braucht vielmehr erhöhte Anstrengungen, um Produktion und Anbietervielfalt am Standort Deutschland zu erhalten. Wir brauchen dazu verlässliche nationale Rahmenbedingungen, um von ausländischen Lieferanten unabhängiger zu operieren“, so Zentgraf.

Die Menschen in Deutschland vertrauen Ihren Medikamenten. Sie seien überzeugt: „Arzneimittel sind wirksam, qualitativ hochwertig – und sicher! Dieses Vertrauen ist gerechtfertigt“, so der BPI-Chef. Auch die Apotheken erarbeiteten sich jeden Tag das Vertrauen Ihrer Kunden, kontrollierten Arzneimittel auf mögliche Qualitätsmängel, inklusive Verpackung und Beipackzettel.

Das Vertrauen der Patienten spiegele sich auch in der Frage nach ihrer Angst vor Fälschungen wider. Der BPI habe danach gefragt. Das Ergebnis sei eindeutig: Fast 90 Prozent der Befragten gaben an, keine Angst vor Fälschungen beim Kauf von Medikamenten in einer ortsansässigen Apotheke zu haben. Bei offiziellen Internetapotheken waren es 63 Prozent.

Im Gegensatz dazu stehe das Vertrauen zu unseriösen Internetversandhändlern: Nur 36 Prozent fürchteten sich nicht vor Fälschungen beim Medikamentenkauf über solche Händler. Und deshalb kauften 89 Prozent ihre Arzneimittel in der Apotheke vor Ort, 41 Prozent bei einer Internetapotheke und nur 6 Prozent bei Internetversandhändlern.

„Auf dieses Vertrauen müssen wir auch in Zukunft bauen. Und diese Aufgabe verbindet uns“, so Zentgraf, „gemeinsam haben wir, um die Sicherheit in der regulären Lieferkette EU-weit noch weiter zu erhöhen, Securpharm ins Leben gerufen.“ Das System befinde sich bereits im Testbetrieb durch Pharma-Unternehmen, Apotheken und Großhändler. Mittlerweile seien bereits über 32 Millionen Packungen mit einem Data Matrix Code gesichert.

„Mit Securpharm treten wir aber auch den Beweis an, ob Deutschland in Sachen Digitalisierung ein Entwicklungsland ist oder nicht“, sagte Zentgraf. Fakt sei, dass digitale Anwendungen und deren Umgang auch weiterhin aktiv gestalten werden müssten und dass der Mensch dabei im Fokus stehe. Zentgraf: „Es geht um die Versorgung des Menschen mit seinen Bedürfnissen, Sorgen und Nöten.“

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