„Das Ende der Fahnenstange ist erreicht“

Apothekenstreik: Licht aus, Handzettel raus

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Berlin -

Am 9. Mai planen die Apotheken in Schleswig-Holstein einen Streik und sollen am Vormittag geschlossen bleiben. In welchem Ausmaß die Apotheken sich an dem Aktionstag beteiligen, ist unterschiedlich. Thomas Pekrun, Inhaber der Ostsee-Apotheke in Schönberg, wird nicht komplett schließen, sondern das Gespräch suchen: „Wir wollen die Patient:innen mitnehmen und aufklären, anstatt sie zu verunsichern.“ Er plant einen Aktionstag: „Wir sind zwar dienstbereit, weil es unsere Pflicht ist, aber lassen das Licht aus und verteilen Handzettel.“

Was eigentlich schon in der Woche vor Ostern geplant war, soll nun am 9. Mai stattfinden. Apotheken in Schleswig-Holstein sollen am Vormittag nur Notfälle beliefern und ansonsten geschlossen bleiben. In der Ostsee-Apotheke sollen selbst kreierte Handzettel verteilt werden. Sie greifen auf, was so viele Apotheken derzeit ärgert: Lieferengpässe, fehlende Honorarerhöhungen, erhebliche Zeitaufwände und geringe Wertschätzung.

„Wir werden allein gelassen“

Rezepte werden hier trotzdem beliefert, und auch die übliche Beratung werde stattfinden: „Es ist unsere Pflicht, für die Patient:innen da zu sein, aber wir werden am Vormittag das Licht auslassen und die Kund:innen direkt mit ins Boot holen und für die Situation weiter sensibilisieren.“ Die Apotheken stehen laut Pekrun an einem Wendepunkt: „Es muss jetzt etwas passieren. Die Apothekendichte nimmt massiv ab, und wir werden mit der ganzen Problematik allein gelassen.“

Vorwürfe der Kassen „blanker Hohn“

Das Ende der Fahnenstange sei längst erreicht, so Pekrun: „Die Behauptung der AOK, die Apotheken würden die Ausnahmeregelung ausnutzen und damit das System finanziell belasten, ist ein blanker Hohn. Was uns Apothekern da entgegenschlägt, gibt zusätzlich Anlass, sich am Streik zu beteiligen.“ Der Apotheker ist sich sicher: „Wenn sich der Vorstand der AOK mal ein paar Tage in die Apotheke stellen würde, dann könnte annähernd geahnt werden, was wir hier täglich leisten.“

Pekrun hat mehrere Mitarbeiter:innen abgestellt, um aus allen nur möglichen Quellen fehlende Medikamente zu beschaffen. „Wir haben zwei große Kinderarztpraxen in der Nähe unserer beiden Apotheken. Täglich sind wir lange Zeit damit beschäftigt, die Belieferung unserer Patient:innen irgendwie möglich zu machen, und es ist kein Ende in Sicht“, so Pekrun.

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