ABDA-Präsident

Kampfkandidatur: Siemsen fordert Schmidt heraus

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Berlin -

Bei der Neuwahl des ABDA-Präsidenten im Dezember kommt es zu einer Kampfkandidatur: Kai-Peter Siemsen, Präsident der Hamburger Apothekerkammer, hat seinen Hut in den Ring geworfen. Der Grund für seine Gegenkandidatur: Siemsen ist mit der Amtsführung Friedemann Schmidts nicht zufrieden. Damit können die Delegierten der 17 Kammern und 17 Verbände am 7. Dezember erstmals seit 2004 wieder zwischen zwei Kandidaten entscheiden.

Vor vier Jahren sei er ein „glühender Anhänger“ von ABDA-Präsident Friedemann Schmidt gewesen, sagt Siemsen. Aber in den letzten vier Jahren habe er zusehends intern Kritik an seiner Amtsführung geübt. Seine Anregungen seien allerdings nicht aufgenommen worden: „Jetzt nutze ich das demokratische Mittel der Wahl.“

Mehrere Mitgliedsorganisationen hätten ihn zudem zur Kandidatur ermutigt, so Siemsen. Er habe mit seiner Familie gesprochen, seine Apotheke organisiert: „Ich bin zur Kandidatur bereit.“ Letzten Dienstag hat der Vorstand der Hamburger Apothekerkammer ihn daraufhin einstimmig vorgeschlagen und nominiert.

Seine Chancen hat Siemsen in den letzten Wochen sondiert und schätzt sie optimistisch ein: „Ich befinde mich mit Friedemann Schmidt auf Augenhöhe.“ Er werde aber nicht „depressiv“, falls er nicht gewählt werden sollte, so Siemsen.

Antreten will Siemsen für eine energischere Standespolitik. Siemsen: „Ich werde die politischen Wünsche der Apotheker deutlicher äußern.“ Die Kernforderungen der Apotheker müssten offensiver und öffentlicher vorgetragen werden. „Verdi steckt mit seinen Forderungen auch nicht zurück, nur weil die Kommunen gerade kein Geld in der Kasse haben“, so Siemsen.

Abbauen will Siemsen zudem die „gefühlte Distanz“ der ABDA-Spitze zur Basis. Die Kollegen sollten das Gefühl haben, „den kann ich auch mal anrufen“. Es gehe ihm um größere Transparenz in der ABDA-Arbeit und größere Nähe zu den Mitgliedsorganisationen.

Erst kürzlich hatten Friedemann Schmidt und und sein Vize Mathias Arnold angekündigt, im Dezember erneut für das ABDA-Präsidium zu kandidieren. In ihrer Bilanz der laufenden Amtszeit kamen sie zu dem Ergebnis, dass sie zwar in Honorarfragen nicht alles erreicht, dafür aber vor allem die eigene Organisation nach vorne gebracht haben.

Die Gegenkandidatur des 54-jährigen Siemsens dürfte auch den Deutschen Apothekertag (DAT) vom 12. bis 14. Oktober in München beeinflussen. In der Antragsdebatte hatte sich Siemsen in den letzten Jahren regelmäßig zu Wort gemeldet. In diesem Jahr dürfte Siemsen unter besonderer Beobachtung stehen. Der Applaus für seine Anmerkungen könnte als Gradmesser für Chancen auf das Präsidentenamt gewertet werden.

Schmidt hat nach eigenem Bekunden lange über eine erneute Kandidatur nachgedacht, sich dann aber dennoch „aus vollem Herzen“ dafür entschieden. Auch Arnold macht die Arbeit „richtig Spaß“. „Wir haben noch einige Baustellen, da möchte ich noch Einiges bewegen“, sagten beide der ABDA-eigenen Pharmazeutischen Zeitung.

Bis Ende 2020 wollen der Kammerpräsident aus Sachsen und der Verbandschef aus Sachsen-Anhalt gemeinsam weitermachen. „Wir treten im Grunde gemeinsam an“, so Schmidt. „Uns gibt es nur im Doppelpack!“ Man sei ein eingespieltes Team und habe sich ein gutes Netzwerk aufgebaut. Fritz Becker hat schon erklärt, wieder als Vorsitzender des Deutschen Apothekerverbands (DAV) zu kandidieren. Auch Dr. Andreas Kiefer stellt sich als Präsident der Bundesapothekerkammer (BAK) zur Wiederwahl.

Anders als Siemsen sind Schmidt und Arnold zufrieden, was sie für die ABDA erreicht haben: Nach intensiver Arbeit sei es gelungen, eine neue Vertrauensbasis zwischen der Dach- und ihren Mitgliedsorganisation zu schaffen. „Das Verhältnis hat sich deutlich verbessert. Wir haben das Vertrauen vor allem der Landesapothekerkammern wiedergewinnen können“, so Schmidt.

Die Interessen von Kammern und Verbänden zusammenzufügen, sei wesentlicher Teil der Arbeit, so Schmidt. „In diesem Punkt haben wir seit einiger Zeit sehr stabile Verhältnisse. Und das ist wichtig. Wir dürfen nicht vergessen, dass die ABDA unsere Lebensversicherung ist. Ohne diese einheitliche Organisationsform hätte der Berufsstand vermutlich keine Chance, seine Interessen durchzusetzen. Wir brauchen eine starke und stabile Vertretung.“

Er selbst habe versucht, das Amt des ABDA-Präsidenten „etwas kleiner und menschlicher“ zu gestalten. „Es ist nicht mehr so präsidial, wie es vorher war. Dafür ist es moderner und zeitgemäßer geworden. Das gilt auch für die Zusammenarbeit von Hauptamt und Ehrenamt.“ Was ihm darüber hinaus gut gelungen ist, will er nicht verraten: „Zufriedenheit passt nicht in ein Amt dieser Größe.“

Arnold ist vor allem stolz auf das Perspektivpapier „Apotheke 2030“, das sich zu einer „Richtschnur für all das entwickelt [hat], was wir in Zukunft erreichen wollen“. Ein Meilenstein sei zudem die Entscheidung für das neue Haus der ABDA gewesen: „Wir haben eine weitreichende Entscheidung für die Zukunft getroffen und sind überzeugt, damit das Richtige getan zu haben.“ Auch die ABDA-Imagekampagne sieht er als großen Erfolg.

An der seit Jahren erforderlichen Honoraranpassung wollen Schmidt und Arnold arbeiten – allerdings erst nach ABDA- und Bundestagswahl. „In der kommenden Legislaturperiode muss aber dennoch eine vernünftige Regelung für unsere Honorierung gefunden werden. Es steht außer Frage, dass wir keine weiteren vier Jahre warten können, bis dieses Problem gelöst ist.“

Erstmals seit 2004 kommt es im Dezember zu einer spannenden Wahl des ABDA-Vorstandes durch die Mitgliederversammlung. Für die Nachfolge von Hans-Günther Friese hatten vor 12 Jahren Heinz-Günther Wolf und Günther Hanke kandidiert. Wolf setzte sich klar gegen Hanke durch. Schmidt, der damals auf einer Kandidatur verzichtete, wurde daraufhin zum Wolfs Stellvertreter gewählt.

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