Standesvertretung

Becker ja – Kiefer und Schmidt zögern

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Berlin -

In der ABDA-Spitze werden die Karten Ende des Jahres neu gemischt, wenigstens teilweise. Präsidenten, Vorsitzende und Vorstände müssen neu gewählt werden. Dabei wird es einige personelle Veränderungen geben – aber auch Kontinuität: Fritz Becker will sich wieder zum DAV-Vorsitzenden wählen lassen. So viel ist klar. Es wäre seine dritte Amtszeit. BAK-Präsident Andreas Kiefer will sich noch nicht zu seinen Zukunftsplänen äußern. Und was macht Friedemann Schmidt? Bisher schweigt auch er zu seinen Absichten.

Zuerst werde seine Frau erfahren, ob er sich als ABDA-Präsident zur Wiederwahl stellt, ließ Schmidt zur Jahresmitte wissen. Offiziell erklärt ein ABDA-Sprecher nur: „Friedemann Schmidt wird sich zur Frage einer Kandidatur zu gegebener Zeit äußern.“ Der Deutsche Apothekertag (DAT) im Oktober in München könnte der richtige Ort und die richtige Zeit dafür sein.

Denn zum Jahresende müssen die Spitzen der bundesweiten Standesorganisationen der Apothekerschaft erneut gewählt werden. Am 23. November wählt die Mitgliederversammlung der Bundesapothekerkammer (BAK) ihren neuen Geschäftsführenden Vorstand. Eine Woche später folgt der Deutsche Apothekerverband (DAV) am 30. November. Und wieder eine Woche später am 7. Dezember wird der ABDA-Präsident gekürt.

Unabhängig von den persönlichen Entscheidungen von BAK-Präsident Kiefer und ABDA-Präsident Schmidt über ihre Zukunft stehen gewichtige Veränderungen an: Von Bord geht in diesem Jahr Dr. Rainer Bienfait. Der stellvertretende DAV-Vorsitzende aus Berlin hat seinen Rückzug bereits vor längerer Zeit angekündigt. Als DAV-Verhandlungsführer für Verträge mit den Krankenkassen und Retaxangelegenheiten hinterlässt Bienfait eine große Lücke im DAV-Gefüge. Als Ehrenamtler führte Bienfait seine Aufgabe wie ein Vollzeitjobber. In stundenlangen Verhandlungsrunden saß er selbst am Tisch. Das kann und will wohl kein Nachfolger leisten.

Deshalb soll die Verhandlungsführung nach der Neuwahl der DAV-Spitze wieder ans Hauptamt im Apothekerhaus zurückfallen. Dafür wird eine neue Stelle in der Abteilung Wirtschaft und Soziales geschaffen. Ein Pharmazeut soll sich um Dienstleistungsverträge mit den Krankenkassen kümmern, die Verhandlungen maßgeblich führen. Damit wäre Bienfaits Nachfolger von der mühsamen Detailarbeit entlastet. Der neue DAV-Vize könnte seine Arbeit auf die Aufsicht über die Verhandlungen konzentrieren.

Seit 2009 arbeitet Bienfait im DAV-Vorstand mit. Seit 1990 ist er Mitglied des Vorstandes im Berliner Apothekerverein, den er seit 1997 als Vorsitzender führt. Dort will Bienfait in der Standespolitik weitermachen.

Als möglicher Kandidat für die Nachfolge von Bienfait im DAV-Vorstand gilt Dr. Hans-Peter Hubmann. Der Vorsitzende des Bayerischen Apothekerverbandes (BAV) ist seit vier Jahren Mitglied des Geschäftsführenden Vorstand des DAV. Und ihm werden Ambitionen auf höhere Positionen in der Standesführung nachgesagt. Als Vorsitzender des mitgliederstärksten Verbandes kann Hubmann ohnehin auf seine bayerische Hausmacht im DAV setzen.

Abgewinkt für den Vize-Posten hat dagegen Dr. Klaus Michels. Der Vorsitzende des Apothekerverbandes Westfalen-Lippe (AVWL) mit seinen wirtschaftsfreundlichen Ansichten sieht den Schwerpunkt seiner Arbeit im Landesverband.

Bis Mitte Oktober können die Landesapothekerverbände nun Personalvorschläge für den Geschäftsführenden Vorstand einreichen. Neben Becker aus Baden-Württemberg und Bienfait aus Berlin gehören dem Geschäftsführenden Vorstand als Beisitzer Hubmann aus Bayern, Stefan Fink aus Thüringen und Claudia Berger aus dem Saarland an.

Wie Bienfait will auch Berger nicht mehr für ihr DAV-Amt kandidieren. Damit sinkt die Frauenquote in der Standesführung weiter im diametralen Gegensatz zum Frauenanteil im Berufsstand. Kammerpräsidentin Gabriele Overwiening wäre damit neben Karin Graf die einzige Frau in der engeren ABDA-Führung. Und Graf hält sich eine erneute Kandidatur für die BAK-Spitze noch offen. Sie will dazu „zunächst weitere Gespräche in BAK-Kreisen abwarten“.

An der Spitze des DAV wird es nach Lage der Dinge keine Veränderung geben. Fritz Becker will weitermachen und ein Gegenkandidat ist weit und breit nicht in Sicht. Damit dürfte der 65-jährige Apotheker im November für seine dritte Amtszeit wiedergewählt werden.

Im Grunde spricht auch nichts dagegen, dass ABDA-Präsident Schmidt weitermacht. Sein Vize Mathias Arnold würde eine erneute Kandidatur wohl davon abhängig machen, ob das Tandem bestehen bleibt.

Bislang hat noch kein anderer Ambitionen auf die ABDA-Spitze gezeigt. Normalerweise kommt der oberste Standesvertreter aus den Reihen der Apothekerkammern. Heinz-Günter Wolf vom Apothekerverband Niedersachsen war insoweit eine Ausnahme.

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