Mangelernährung als Risikofaktor

Vitamin-K-Mangel und Corona Alexandra Negt, 30.04.2020 11:09 Uhr

Berlin - Patienten, die mit gewissen Mineralstoffen, Vitaminen und Spurenelementen minderversorgt sind, gelten als momentan noch unterschätzte Risikogruppe bei Sars-CoV-2-Infektionen. Die Europäische Gesellschaft für klinische Ernährung und Stoffwechsel hat einen Leitfaden für das Ernährungsmanagement von Personen mit Covid-19 veröffentlicht. Darüber hinaus informiert die Fachgesellschaft auch über mögliche Risiken einer Mangelernährung. Neueste Erkenntnisse rücken hier insbesondere Vitamin K in den Fokus.

Der Großteil der Patienten, die einen schweren Covid-19-Verlauf erleiden, wird intensivmedizinisch betreut. Meist handelt es sich um ältere oder multimorbide Patienten. Der Aufenthalt auf der Intensivstation ist zusammen mit den Begleiterkrankungen und dem hohen Lebensalter häufig mit einem hohen Risiko für Unterernährung verbunden. Unter- oder Mangelernährung stellt immer einen relevanten Risikofaktor für eine höhere Morbidität und Mortalität bei chronischen und akuten Erkrankungen dar. Bereits nach wenigen Tagen auf der Intensivstation verlieren die Patienten einen großen Teil Muskelmasse. Dieser Verlust schwächt den Organismus allgemein, die Lebensqualität sinkt, die Morbidität steigt. Nicht nur ein längerer stationärer Aufenthalt, sondern auch viele chronische Krankheiten wie Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen können das Risiko von Unterernährung steigern.

Die Europäische Gesellschaft für klinische Ernährung und Stoffwechsel (Espen) empfiehlt daher eine routinemäßige Untersuchung des Ernährungszustandes bei intensivmedizinisch betreuten Corona-Patienten. Präzise Leitlinien sollen die Umsetzung eines adäquaten Ernährungsmanagements erleichtern. Für eine Mangelernährung aufgrund einer langen intensivmedizinischen Betreuung kommen folgende Gründe infrage: verminderte Mobilität, katabolische Veränderungen, insbesondere im Skelettmuskel, andere Veränderungen beim Abbau von Stoffwechselprodukten sowie eine verminderte Nahrungsaufnahme. Die unzureichende Zufuhr an Lebensmitteln verschlimmert sich tendenziell bei älteren Patienten. Eine künstliche Beatmung ohne adäquate Nährstoffsupplementierung führt auf Dauer ebenfalls zu einer Mangelernährung.

Screening bei Tendenz zum schweren Verlauf

Patienten, deren Infektionen mit mittelschweren Symptomen einhergehen, sollten routinemäßig auf ihren Ernährungszustand geprüft werden. Ein Screening bei allen mittelschweren und schweren Verläufen kann laut Fachgesellschaft die Langzeitprognose verbessern. Die Prüfung sollte die sogenannten MUST-Kriterien umfassen. MUST steht für „Malnutrition Universal Screening Tool“. Folgende Punkte werden berücksichtigt: der aktuelle Body-Mass Index, der Gewichtsverlust der letzten drei bis sechs Monate und die aktuelle Art der Erkrankung. In der Summe ergibt sich das Gesamtrisiko für das Vorliegen einer Mangelernährung. Je nach erzieltem Wert (0,1,2 und >2) können weitere diagnostische Maßnahmen, wie beispielsweise ein Blutbild angeordnet werden.

APOTHEKE ADHOC Debatte

Neuere Artikel zum Thema

Weiteres
Coronavirus

Halb so viel Valsartan

Dafiro mit falscher Wirkstärke»

Für eine bessere Differentialdiagnose

Corona und Influenza – Anspruch auf Testung»

Auch asymptomatische Personen testen

Neue Teststrategie: Drei Gruppen für Heilberufe»
Markt

Verblisterung und Einnahmekontrolle

BMWi fördert Tabletten-Dispenser»

Erstattungsfähige DiGA

AU-Schein.de: Jetzt auch App-Rezepte für 1 Euro»

Wegen Noventi-Deal

Insolvenzverfahren zu AvP vorgezogen»
Politik

BMG soll mehr Kompetenzen erhalten

Gesetzentwurf: Spahn will mehr Macht»

Kritik an Spahns Apothekenstärkungsgesetz

Freie Apotheker: VOASG gefährdet auch die Ärzte»

Bei hohen Corona-Zahlen

Söder fordert bundesweite Maskenpflicht»
Internationales

Obergrenzen für Treffen

Österreich verschärft Anti-Corona-Maßnahmen»

Projekt „Apian“

Coronatest per Drohne»

Kriminalität

Grippeimpfstoff in Mexiko gestohlen»
Pharmazie

Stada und Aliud

Ibuprofen Retard geht retour»

Teils direkt, teils über den Großhandel

Volibris-Generika kommen»

Lieferengpass

Epoprostenol-Rotexmedica fehlt bis April»
Panorama

Pilzsaison

Giftnotruf: Weniger Anfragen wegen Pilzen»

Nachtdienstgedanken

Ist die zweite Welle schon da?»

Verkostung im KaDeWe

Arzneibuch-Elixiere für den guten Geschmack»
Apothekenpraxis

adhoc24

Corona-Tests in Apotheken / Impfbereitschaft der Teams / AvP: Rolle der BaFin»

Aussonderungsrechte bei AvP

Hoos widerspricht Apothekerverband»

FDP zur Aufklärung der AvP-Pleite

„Große Fragen in Richtung BaFin“»
PTA Live

Die Pandemie-Hausapotheke

Corona-Helferlein aus der Apotheke»

Auf die Ausgangsstoffe kommt es an

Rezepturtipp: Erwärmen und ergänzen»

Prostatabeschwerden

Fresh-up: BPH»
Erkältungs-Tipps

Erkältung in Corona-Zeiten

No Go: Husten als Stigma»

Bronchitis, Pneumonie, Corona

Husten ist nicht gleich Husten»

Selbstmedikation bei Erkältungsbeschwerden

Hausapotheke: Halsschmerzen»
Magen-Darm & Co.

Trendprodukt Selbsttests

Was können Darmflora-Analysen & Co.?»

Vitamin-B12-Mangel

Fehlender Intrinsic Factor»

Hilfe bei Obstipation, Hämorrhoiden & Co.

Ballaststoffe: Essenziell für die Verdauung»
Kinderwunsch, Schwangerschaft & Stillzeit

Supplemente in der Schwangerschaft

Folsäure & Jod: Nur die Hälfte ist versorgt»

Geschlechtsbestimmung

Mädchen oder Junge? Der Genetik auf der Spur»

Kaiserschnitt ist kein Muss

HIV und Schwangerschaft»
Medizinisches Cannabis

Sonder-PZN, Lieferengpässe & Co.

Retaxgefahr Cannabis»

Blüte, Extrakt, Kapsel

Cannabis: Schritt für Schritt zur Rezeptur»

Wie setzt sich der Abgabepreis zusammen?

Cannabis-Rezept: Taxierung»
HAUTsache gesund und schön

Viel hilft nicht immer viel

Überpflegung der Haut»

Aufbau, Alterung und Pflege

Unterschiede von Frauen- und Männerhaut»

Von Reinigung, Pflege und Wellness

Handpflege: Unterschätzt, aber unerlässlich»