Hospitalisierte Covid-Patienten

Remdesivir: Kein Effekt auf Sterblichkeit & Verlauf

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Berlin -

Remdesivir galt seit Beginn der Pandemie als Hoffnungsträger zur Behandlung von Covid-19. In der Europäischen Union hat der Wirkstoff die bedingte Zulassung zur Therapie der Covid-Pneumonie bei Jugendlichen und Erwachsenen. Ein Cochrane-Review hat nun mehrere Studien unter die Lupe genommen – demnach zeigt die Substanz bei hospitalisierten Patient:innen nur geringe oder gar keine Auswirkungen auf den Krankheitsverlauf und die Sterblichkeit.

Im Rahmen des Reviews wurden fünf Remdesivir-Studien mit rund 7500 Patienten analysiert. Bei der Auswahl wurde bewusst auf randomisierte, kontrollierte Studien geachtet. In den jeweiligen Kontrollgruppen wurde entweder die Standartbehandlung oder Placebo verabreicht. Das Fazit: „Auf Grundlage der derzeitig verfügbaren Evidenz aus randomisierten kontrollierten Studien kommen wir zu dem Schluss, dass eine Behandlung mit Remdesivir wahrscheinlich nur geringe oder gar keine Auswir­kungen auf die Sterblichkeit bei erwachsenen hospitalisierten Patienten mit Covid-19 hat“, erklärt Kelly Ansems von der Uniklinik Aachen, Erstautorin des Reviews.

Eine abschließende Beurteilung, ob es mögliche Wirksamkeitsunterschiede in Abhängigkeit vom Schweregrad der Er­krankung gibt, sei aufgrund der Unvollständigkeit der derzeit verfügbaren Studiendaten nicht möglich. Das Team fordert einheitliche Endpunkte für künftige Studien in der Covid-Forschung, um Daten besser bündeln und auswerten zu können.

Ursprünglich wurde Remdesivir gegen das Ebolavirus entwickelt. Die Substanz ist ein Virustatikum, welches die virale RNA-Polymerase hemmt. Im Juli 2020 hatte Remdesivir als erstes Mittel von der EMA die bedingte Zulassung zur Behandlung von Covid-19 bei Erwachsenen und Jugendlichen ab 12 Jahren mit einem Mindestgewicht von 40 Kilogramm erhalten.

Bei hospitalisierten Patient:innen gilt eine initiale Dosis von 200 mg Remdesivir als intravenöse Infusion als Standarttherapie. Ab Tag zwei werden nur noch 100 mg Wirkstoff intravenös verabreicht. Verbessert sich der gesundheitliche Zustand des Patienten/der Patientin nicht, kann eine Verlängerung der Therapiedauer – nach erfolgter infektiologischer Beratung – um bis zu fünf weitere Tage auf insgesamt maximal zehn Tage erfolgen. Zur Therapieüberwachung wird die tägliche Kontrolle der Nieren- und Leberfunktionsparameter empfohlen. Von einem Einsatz von Remdesivir bei einer GFR < 30 ml/min wird abgeraten, da es keine pharmakokinetischen Daten für Remdesivir bei schwergradiger Niereninsuffizienz gibt.

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