Nebenwirkungen

Paracetamol: Mehr Giftnotrufe wegen Leberschäden

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Berlin -

Paracetamol gehört zu den meistgenutzten Arzneimitteln gegen Schmerzen und Fieber. Doch es ist Vorsicht geboten. Die Zahl der Giftnotrufe wegen Leberschäden durch Paracetamol ist gestiegen.

In der Regel werden etwa 25 Prozent des aufgenommenen Paracetamols in der Leber metabolisiert und unterliegen damit dem First-Pass-Effekt. Der Wirkstoff wird dabei mit Glucuronsäure oder Sulfat konjugiert und über die Nieren ausgeschieden. Ein kleiner Teil wird über Cytochrom (CYP)-P450-Enzyme metabolisiert und es entsteht dabei der reaktive Metabolit N-Acetyl-p-benzochinonimin (NAPQI) – eine toxische Verbindung. Im Falle einer Überdosierung wird aber ein größerer Teil des aufgenommenen Wirkstoffs über die CYP-Enzyme metabolisiert. Die Folge: Die Produktion von NAPQI steigt und kann nicht mehr neutralisiert werden. Stattdessen bindet dies an Proteine der Hepatozyten und es kommt zum Zelltod. Leberschäden oder sogar ein Leberversagen können die Folgen sein.

Dosiert wird in Abhängigkeit von Alter und Gewicht. Die empfohlene Dosis liegt bei 10 mg/kg Körpergewicht als Einzeldosis und kann im Abstand von sechs Stunden eingenommen werden. Pro Tag sollten nicht mehr als 60 mg/kg verabreicht werden. Entsprechend können ab einem Gewicht von 50 kg bis zu 1000 mg Paracetamol als Einzeldosis eingenommen werden – das entspricht maximal drei Tabletten täglich. Vorsicht ist bei Patient:innen mit Leber- und Nierenfunktionsstörungen geboten.

Mehr Giftnotrufe wegen Leberschäden

Dass mehr Giftnotufe aufgrund von Leberschäden durch Paracetamol eingegangen sind, darüber informiert ein Forschungsteam von der University of Virginia (USA) auf Basis von Daten der US-Giftnotrufzentralen. Demnach hat sich die Zahl der Anrufe wegen Leberschäden durch Medikamente, Alkohol, Nahrungsergänzungsmittel und andere Substanzen in den letzten 20 Jahren deutlich erhöht. Genau ist diese zwischen 2004 und 2024 von 10,9 auf 52,9 Fälle pro einer Million Menschen gestiegen. Besonders häufig scheint ein Übergebrauch von Paracetamol der Auslöser für Leberschäden zu sein.

Vor allem Monopräparate mit dem Wirkstoff haben bei vielen Patient:innen negative Auswirkungen auf die Lebergesundheit, während die Zahl unter Kombipräparaten seit einer behördlichen Beschränkung des zulässigen Wirkstoffgehalts rückläufig ist. Frauen sind dabei häufiger von Leberschäden unter Paracetamol betroffen als Männer – zumindest mit Blick auf die Giftnotrufe.

Daher raten die Forschenden dazu, entsprechende Arzneimittel nur unter ärztlicher Behandlung und mit Vorsicht einzusetzen. Da auch Alkohol, Phytopharmaka und Nahrungsergänzungsmittel Auslöser für Giftnotrufe sein können, sollte hier ebenfalls besondere Vorsicht gelten, so der Appell. Das Team gibt außerdem zu bedenken, dass die tatsächliche Zahl der Fälle höher sein könnte, da lediglich Giftnotrufe berücksichtigt und nicht erkannte oder nicht gemeldete Leberschäden somit nicht erfasst wurden.

Paracetamol besitzt analgetische und antipyretische Eigenschaften, wirkt jedoch im Gegensatz zu Ibuprofen kaum entzündungshemmend. Der genaue Wirkmechanismus von Paracetamol ist noch nicht eindeutig geklärt, allerdings wird der antipyretische Effekt auf einen Einfluss auf das Temperaturregulationszentrum im Hypothalamus zurückgeführt. Außerdem bewirkt Paracetamol eine Hemmung der cerebralen Prostaglandinsynthese und hemmt die periphere Prostaglandinsynthese nur schwach.

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