Virusvermehrung im Auge

Long-Covid: Auch die Netzhaut betroffen

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Berlin -

Die Symptome von Long-Covid sind vielfältig. Nun haben Wissenschaftler:innen des Max-Planck-Institutes für molekulare Biomedizin und der Westfälischen Wilhelms-Universität untersucht, welche Auswirkungen Sars-CoV-2 auf das menschliche Auge haben kann. Zur Anwendung kam dabei ein menschliches Organoidmodell der Netzhaut – Tierversuche mussten nicht durchgeführt werden.

Nach einer Infektion mit Sars-CoV-2 leiden viele Patient:innen auch lange Zeit später noch an den Folgen der Erkrankung. Vom Long-Covid-Syndrom sind rund 40 Prozent aller Erkrankten betroffen. Die Spätfolgen der Infektion sind dabei sehr unterschiedlich und teilweise auch unspezifisch. So kam es auch zu Meldungen von ophthalmischen Problemen nach einer Corona-Infektion. Wissenschaftler:innen des Max-Planck-Institutes für molekulare Biomedizin und der Westfälischen Wilhelms-Universität konnten nun zeigen, dass Sars-CoV-2 sich auch in menschlichen Netzhautzellen vermehren kann. Dort kann es in Folge dessen zu ophthalmischen Schädigungen kommen.

Die Wissenschaftler:innen wollten zusätzlich erfahren, in welchen Zellen das Virus sich repliziert. Um herauszufinden, welche Zellen in den Retina-Organoiden betroffen sind, wurden die einzelnen Organoide im Fluoreszenzmikroskop untersucht. Im Ergebnis zeigte sich, dass Sars-CoV-2 vor allem in retinalen Ganglienzellen vorkommt. Hierbei handelt es sich um die innerste Retinaschicht. In den äußeren Schichten fanden sich ebenfalls Virusmengen, jedoch in geringerem Maß.

Nicht nur Gefäßschädigungen

Bislang gingen Mediziner:innen davon aus, dass Netzhautschädigungen & Co. auf Gefäßveränderungen, ausgelöst durch die Corona-Infektion, zurückzuführen seien. Doch die Untersuchungen am Organoidmodell der Netzhaut zeigen, dass das Virus direkt an der Zelle zu Veränderungen führen könnte. Die konkreten pathologischen Folgen für die retinalen Ganglienzellen müssten jedoch weiter untersucht werden.

Bereits im letzten Jahr zeigten MRT-Aufnahmen, dass Patient:innen, die eine Covid-19-Infektion durchgemacht hatten, Netzhautveränderungen zeigten. So zeigten sich in einer französischen multizentrischen, retrospektiven Beobachtungsstudie bei 7 Prozent von 129 schwer kranken Covid-19-Patient:innen knotige Veränderungen am hinteren Augenpol im MRT. Damals konnte man die Ursache noch nicht näher bestimmen. „Unsere Daten geben uns Grund zur Annahme, dass sogenannte Long-Covid-Symptome degenerative Erkrankungen der Netzhaut einschließen können“, so das Fazit der Wissenschaftler:innen.

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