Antidiarrhoika

Perocur: Forte ist zurück

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Berlin -

Hexal meldet sich mit Perocur 250 mg zurück – dem Nachfolger des 2011 zurückgerufenen Perocur forte. Die Hefekapseln hatten in den vergangenen Jahren ein Auf und Ab erlebt.

Perocur 250 mg ist doppelt so hoch dosiert wie Perocur, das als Nachfolger von Perocur forte bislang auf dem Markt erhältlich ist. Die Kapseln enthalten die Trockenhefe Saccharomyces boulardii mit 5 Milliarden lebenden Keimen.

Das neue Produkt dient der Behandlung akuter Diarrhoe bei Kindern ab sechs Monaten. Bis zu einem Alter von zwei Jahren sollte die Therapie jedoch ärztlich überwacht werden. Perocur 250 mg kann ebenfalls zur Prophylaxe und Behandlung von Reisediarrhoe ab zwölf Jahren eingesetzt werden. Perocur kann für diese Indikation bereits ab zwei Jahren eingesetzt werden.

In den neuen Kapseln steckt nicht nur mehr Wirkstoff, auch äußerlich hat sich das Produkt verändert. Perocur 250 mg ist eine weiße Kapsel – im Gegensatz zur Kapselhülle des Vorgängers mit einer gelben und einer grünen Hälfte.

Perocur war bereits seit 1995 in Kapseln zu 250 mg im Handel. Die Branche hatte jedoch im Herbst 2011 mit einer großen Rückrufwelle zu kämpfen: Es waren zu wenig lebensfähige Keime enthalten. Hexal konnte das Defizit auf das damalige Herstellungsverfahren zurückführen. Bei der Wirbelschichttrocknung war das Produkt zu hohen Temperaturen ausgesetzt und zerstörte den lebenden Hefestamm.

Mitte 2012 konnte Hexal zwar wieder liefern, allerdings musste das Präparat fortan im Kühlschrank aufbewahrt werden. Außerdem wurde die Haltbarkeit von 36 auf 24 Monate verkürzt. Andere Hersteller warfen gleich ganz das Handtuch: Die Schwesterfirma 1A gab zu dieser Zeit Peromyces auf, Ratiopharm seine Hefekapseln, Schwabe sein Hamadin und Sidroga seine Valverde-Durchfallkapseln.

Großer Gewinner dieser Marktbereinigung war Perenterol: Der französische Hersteller Biocodex hatte bereits 1947 ein Lyophilisierungsverfahren entwickelt und sich patentieren lassen, bei dem die Aktivität von Saccharomyces boulardii erhalten bleibt. Ende 2012 konnte sich Medice nach einem längeren Auswahlprozess die Vertriebsrechte für Deutschland sichern. Zuvor hatte 20 Jahre lang der im September 2006 von UCB übernommene Hersteller Schwarz Pharma die Lizenz gehalten.

Unter dem „Raus aus dem Kühlschrank – Rein in die Sichtwahl!“ meldete sich Hexal 2015 mit neuer Rezeptur zurück. Im Jahr zuvor hielt Perenterol einen Marktanteil von 20,5 Prozent; das Hefepräparat war damit vor Imodium das nach Umsatz am häufigsten verkaufte Antidiarrhoikum.

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