Lacteol verliert den Anschluss

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Berlin -

Ein Jahr lang hat Lacteol (Pohl-Boskamp) davon profitiert, dass Infectodiarrstop (Infectopharm) nicht lieferbar war. Doch nach einem Lieferantenwechsel ist das Konkurrenzprodukt jetzt zurück – und vor dem Sprung in den GKV-Leistungskatalog: Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) wird das Präparat vermutlich in Kürze auf die OTC-Ausnahmeliste setzen. Dagegen scheiterte der Zulassungsinhaber von Lacteol, der mittlerweile zu Actavis gehörende US-Hersteller Aptalis, mit einer Klage gegen den G-BA.

Antidiarrhoika wurden 2008 von der Verordnung zu Lasten der GKV vollständig ausgeschlossen. Grund waren Wirtschaftlichkeitserwägungen: Akute Durchfallerkrankungen seien in der Regel selbstlimitierend und durch diätetische Maßnahmen behandelbar, so der G-BA. Bei Erwachsenen sei Flüssigkeitsaufnahme ausreichend und zweckmäßig, bei Kindern sei die orale Rehydratationstherapie Standard.

Ausgenommen waren von Anfang an Präparate mit Saccharomyces boulardii bei Kleinkindern, Elektrolytpräparate zur Rehydratation bei Kleinkindern und Kindern sowie Motilitätshemmer bei Kolektomie in der postoperativen Phase. 2010 wurden zusätzlich Produkte mit Escherichia coli Stamm Nissle 1917 aufgenommen, die mindestens 108 vermehrungsfähige Zellen/Dosiseinheit enthalten und die bei Säuglingen und Kleinkindern zusätzlich zu Rehydratationsmaßnahmen eingesetzt werden.

Lacteol und Infectodiarrstop enthalten gefriergetrocknete Milchsäurebakterien und sind damit bislang von der Erstattung ausgeschlossen. Beide Hersteller hatten Anträge auf Übernahme der Kosten bei Patienten bis 12 Jahren gestellt und wurden abgewiesen.

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