Spermientransport blockieren

Forschung: Neue Verhütung für Männer

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Berlin -

Forschende aus Deutschland arbeiten aktuell an einer neuartigen Verhütung für Männer. Im Fokus steht dabei das langfristige Ziel, eine sichere, reversible und nicht-hormonelle Verhütungsmethode zu entwickeln.

Besteht bei Paaren kein Kinderwunsch, sind die hormonelle Verhütung oder das Kondom mit Abstand die am häufigsten genutzten Methoden. Insbesondere jüngere Menschen wünschen sich jedoch eine Verhütung mit weniger Nebenwirkungen, Alternativen zur Antibabypille und mehr Gleichberechtigung bei der Übernahme der Verantwortung.

So wünschen sich viele Frauen, dass auch für Männer sichere, wirksame und reversible Methoden zur Verfügung stünden. In Zukunft könnte genau das möglich sein, denn das interdisziplinäre Forschungsprojekt ContraPur entwickelt derzeit eine solche, nicht-hormonelle Verhütung für Männer.

Spermientransport blockieren

Forschende aus fünf deutschen Universitäten in München, Aachen, Bonn, Gießen und Münster analysieren dazu die zugrunde liegenden molekularen und physiologischen Prozesse im Hoden. Professor Marc Spehr, Inhaber des Lehrstuhls für Chemosensorik erklärt, dass man langfristig gezielt diese Prozesse beeinflussen wolle. „Perspektivisch könnte es dadurch möglich werden, den Spermientransport vorübergehend zu blockieren und Männer zeitweise unfruchtbar zu machen – ohne ihre Fruchtbarkeit dauerhaft zu beeinträchtigen“, sagt er.

Neuer Ansatz

Mit ContraPur verfolge man dabei einen völlig neuen Ansatz in der Verhütungsforschung, so Spehr. „Unser Ziel ist es, eine sichere, reversible und nicht-hormonelle Methode zu entwickeln, die Männern neue Möglichkeiten der Familienplanung eröffnet und gleichzeitig zu einer gerechteren Verteilung der Verantwortung beiträgt.“

Im Zentrum des Forschungsprojekts steht ein bislang wenig verstandener biologischer Prozess, der den Transport von Spermien im Hoden reguliert. Die sogenannte purinerge Signalübertragung, die durch das körpereigene Molekül ATP initiiert werde, spiele eine Rolle. ATP ist vor allem an der Energiegewinnung der Zelle beteiligt.

Neuere Ergebnisse der Forschenden zeigen, dass ATP auch „eine zentrale Rolle bei der Auslösung von Kontraktionen in den Muskelzellen“ spiele, die die Samenkanälchen umgeben. „Diese Kontraktionen sorgen dafür, dass reife, aber noch unbewegliche Spermien innerhalb des Hodens transportiert werden“, so Spehr. Man wolle nun die Gene, Proteine und Signalwege untersuchen, die an diesen Kontraktionen beteiligt seien.

Potenzielle Wirkstoffe

Ein Schwerpunkt liege auf der Entwicklung potenzieller Wirkstoffe, die am Menschen einsetzbar seien. Nun wolle man bestimmte menschliche Hodenzellen (peritubuläre Zellen) untersuchen und vielversprechende Arzneimittelkandidaten testen. Interessant sei laut den Forschenden auch, inwieweit diese die Kontraktionsfähigkeit dieser Zellen beeinflusse. „Unser Ziel ist es, neue Erkenntnisse über die Hodenphysiologie zu gewinnen und gezielt Arzneimittel zu testen, um letztlich eine sichere und akzeptierte Alternative zur bestehenden Verhütung zu schaffen“, so die Forschenden.

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