Forschung: Neue Verhütung für Männer 05.06.2026 08:59 Uhr
Forschende aus Deutschland arbeiten aktuell an einer neuartigen Verhütungsmethode für Männer. Im Fokus steht dabei das langfristige Ziel, eine sichere, reversible und nicht-hormonelle Möglichkeit zu entwickeln.
Besteht bei Paaren kein Kinderwunsch, sind die hormonelle Verhütung oder das Kondom mit Abstand die am häufigsten genutzten Methoden. Insbesondere jüngere Menschen wünschen sich jedoch eine Option mit weniger Nebenwirkungen, Alternativen zur Antibabypille und mehr Gleichberechtigung bei der Übernahme der Verantwortung.
So wünschen sich viele Frauen, dass auch für Männer sichere, wirksame und reversible Methoden zur Verfügung stünden. In Zukunft könnte genau das möglich sein, denn das interdisziplinäre Forschungsprojekt ContraPur entwickelt derzeit eine solche nicht-hormonelle Variante für Männer.
Spermientransport blockieren
Forschende aus fünf deutschen Universitäten in München, Aachen, Bonn, Gießen und Münster analysieren dazu die zugrunde liegenden molekularen und physiologischen Prozesse im Hoden. Professor Dr. Marc Spehr, Inhaber des Lehrstuhls für Chemosensorik, erklärt, dass man langfristig gezielt diese Prozesse beeinflussen wolle. „Perspektivisch könnte es dadurch möglich werden, den Spermientransport vorübergehend zu blockieren und Männer zeitweise unfruchtbar zu machen – ohne ihre Fruchtbarkeit dauerhaft zu beeinträchtigen“, sagt er.
Neuer Ansatz
Mit ContraPur verfolge man dabei einen völlig neuen Ansatz in der Verhütungsforschung, so Spehr. „Unser Ziel ist es, eine sichere, reversible und nicht-hormonelle Methode zu entwickeln, die Männern neue Möglichkeiten der Familienplanung eröffnet und gleichzeitig zu einer gerechteren Verteilung der Verantwortung beiträgt.“
Im Zentrum des Forschungsprojekts steht ein bislang wenig verstandener biologischer Prozess, der den Transport von Spermien im Hoden reguliert. Die sogenannte purinerge Signalübertragung, die durch das körpereigene Molekül ATP initiiert werde, spiele eine Rolle. ATP ist vor allem an der Energiegewinnung der Zelle beteiligt.
Neuere Ergebnisse der Forschenden zeigen, dass ATP auch „eine zentrale Rolle bei der Auslösung von Kontraktionen in den Muskelzellen“ spiele, die die Samenkanälchen umgeben. „Diese Kontraktionen sorgen dafür, dass reife, aber noch unbewegliche Spermien innerhalb des Hodens transportiert werden“, so Spehr. Man wolle nun die Gene, Proteine und Signalwege untersuchen, die an diesen Kontraktionen beteiligt seien.
Potenzielle Wirkstoffe
Ein Schwerpunkt liege auf der Entwicklung potenzieller Wirkstoffe, die am Menschen einsetzbar seien. Dafür sollen bestimmte menschliche Hodenzellen (peritubuläre Zellen) untersucht und vielversprechende Arzneimittelkandidaten getestet werden. Interessant sei laut den Forschenden auch, inwieweit diese die Kontraktionsfähigkeit dieser Zellen beeinflussen. „Unser Ziel ist es, neue Erkenntnisse über die Hodenphysiologie zu gewinnen und gezielt Arzneimittel zu testen, um letztlich eine sichere und akzeptierte Alternative zur bestehenden Verhütung zu schaffen“, so die Forschenden.