Darmkrebsprävention: NSAR im Soja-Mantel | APOTHEKE ADHOC
Weniger GIT-Nebenwirkungen

Darmkrebsprävention: NSAR im Soja-Mantel

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Berlin -

Mehrere Metaanalysen legen den protektiven Nutzen von nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) wie Acetylsalicylsäure (ASS) bei Darmkrebs nahe, doch Magenblutungen und -geschwüre schränken die Verwendung ein. Damit könnte bald Schluss sein: US-Wissenschaftler des Health Science Center der University of Texas in Houston (UTHealth) haben in einer Studie zwei NSAR mit einem Inhaltsstoff von Sojabohnen bekleidet und den schützenden Effekt erfolgreich an Darmkrebszellen gezeigt. Die chemische Modifikation könnte künftig in der Krebsprävention mit Analgetika eingesetzt werden.

Unter dem Begriff „Darmkrebs“ sind Krebserkrankungen des Dickdarms (Kolonkarzinom) und des Mastdarms (Rektumkarzinom) zu verstehen, zusammenfassend werden sie als kolorektales Karzinom bezeichnet. Sowohl bei Frauen als auch bei Männern ist es die zweithäufigste Krebserkrankung. Die Krankheit tritt überwiegend ab dem 50. Lebensjahr auf. Durch eine allgemeine gesunde Lebensführung und regelmäßige Früherkennungsuntersuchungen kann das Risiko einer Erkrankung minimiert werden.

Derzeit noch nicht empfohlen, aber oft diskutiert ist der Einsatz von NSAR, beispielsweise reduziert hochdosiertes Aspirin (≥ 500 mg täglich) die langfristige Inzidenz von Kolorektalkarzinomen. Obwohl der molekulare Mechanismus dieser antineoplastischen Wirkung nicht vollständig verstanden wird, besteht ein zunehmendes Interesse für die Verwendung aufgrund ihrer nachgewiesenen Fähigkeit, die Häufigkeit und Schwere verschiedener Krebsarten auf der Grundlage klinischer Studien zu reduzieren.

Sojabohnen enthalten Phosphatidylcholine (PC), die aus Fettsäuren, Glycerin, Phosphorsäure und Cholin zusammengesetzt sind – auch Soja-Lecithin genannt. Die Substanzen könnten dazu genutzt werden, das Risiko der gastroinstestinalen Blutungen von NSAR zu senken, die zur Darmkrebsprävention eingesetzt werden könnten. Das zeigen die Studienergebnisse im Fachjournal „Oncology Letters“. Die Forscher haben die Wirksamkeit von ASS und Indometacin mit Phospholipiden unter Verwendung einer murinen Darmkrebszelllinie verglichen. Jedes NSAR wurde allein und in Kombination mit PC unter Verwendung von In-vitro- und In-vivo-Modellen bewertet.

Die Kombination lieferte weniger gastrointestinale Blutungen, aber auch einen besseren Darmkrebsschutz: Die Ergebnisse zeigen, dass die PC-gebundenen NSAR im Vergleich zu den nicht modifizierten NSAR einen signifikant höheren Schutzgrad gegen das Krebszellwachstum aufwiesen. Es wurde auch beobachtet, dass ASS-PC und Indomethacin-PC die metastatische Ausbreitung von Krebszellen in einem syngenen Mausmodell verhinderten. Das mit Phosphatidylcholin verbundene Indometacin wurde im direkten Vergleich mit drei anderen NSAR (einer davon ASS) untersucht.

Die Studie wurde in einem Mausmodell und in Laborexperimenten durchgeführt. „Die Ergebnisse unterstützen den möglichen Einsatz von NSAR, die mit Phosphatidylcholin verbunden sind, zur Vorbeugung und Behandlung von Darmkrebs“, sagte Dr. Lenard Lichtenberger, Studienleiter und Professor für integrative Biologie und Pharmakologie an der McGovern Medical School bei UTHealth. NSAR wie ASS und Indometacin hemmen die Prostaglandinsynthese und verringern so die Konzentration an proinflammatorischen Stoffen. „Viele Krebsarten basieren auf Entzündungen“, so Lichtenberger. „Die entzündungshemmenden Medikamente haben auch einen potenziellen Nutzen für die Krebstherapie.“ Bei täglicher Einnahme über Monate bis Jahre können diese Antiphlogistika jedoch zu Problemen führen. Phosphatidylcholin seien daher zur Abschwächung der Nebenwirkungen von NSAR und auch zum Schutz vor einer Reihe von Krebsarten geeignet.

Phosphatidylcholine finden sich nicht nur in Soja, sondern auch im menschlichen Körper wieder. Sie sind wichtige Strukturbestandteile von biologischen Membranen und kommen unter anderem in Leber, Gehirn, Lunge und Herz sowie im Muskelgewebe vor. Für den Einsatz in Kombination mit NSAR würde weiterhin sprechen, dass die Substanzen nicht körperfremd sind und deshalb gut verträglich sein sollten.

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