Apothekenübernahme in Sachsen

Zwei Apothekerinnen, zwei Apotheken

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Berlin -

Die Eheleute Gabriele und Falk Horler haben zum Jahresbeginn für ihre jeweiligen Apotheken eine Nachfolge gewinnen können: Christin Krampf und Lydia Soppa sind die neuen Inhaberinnen der Pluspunkt-Apotheke im Kornmarkt-Center in Bautzen und der Herz-Apotheke im Lausitz-Center in Hoyerswerda. Durch die Gründung einer offenen Handelsgesellschaft (OHG) gehören die beiden Betriebe nun als Haupt- und Filialapotheke zusammen.

Krampf und Soppa sind in der Nähe der beiden Kreisstädte aufgewachsen, die etwa 40 Kilometer voneinander entfernt liegen. Ihr Studium absolvierten sie in Leipzig und Jena. Für Krampf stand bereits vor ihrem Studium fest, dass sie einen Beruf erlernen möchte, den sie in ihrer Heimat fortführen kann. Bereits seit Anfang 2012 haben die beiden Frauen als angestellte Apothekerinnen in der Herz-Apotheke in Hoyerswerda eng zusammen gearbeitet und sich perfekt ergänzt. Dieses bewährte Miteinander war auch der Grund, weshalb die Übernahme nicht nur durch eine von ihnen im Alleingang durchgezogen werden wollte. „Wenn, dann nur gemeinsam“, heißt es.

„Der Familienrat hat getagt“

Erste Gespräche einer möglichen Übernahme beider Apotheken gab es bereits 2021. Das musste selbstverständlich gut überlegt und durchdacht werden. Die Familien wurden in die Entscheidung einbezogen. Beide Frauen haben je zwei Kinder, „die aus dem Gröbsten noch nicht raus sind“. Glücklicherweise erhalten die Mütter Unterstützung von ihren Partnern, und auch die wohnortnahen Großeltern der Sprösslinge springen zur Betreuung mit ein und halten den neuen Inhaberinnen den Rücken frei.

Behörden ließen nur knappes Zeitfenster

Viel Zeit, um alles bis zum Jahreswechsel auf die Beine zu stellen, blieb Krampf und Soppa nicht: Anfang August haben sie die Betriebserlaubnis beantragt. Diese ließ äußerst lange auf sich warten – vier Monate sind vergangen, bis es am 8. Dezember endlich soweit war. „Darauf baut alles auf“, erklärt Soppa. Für die meisten Behörden habe der Dezember nur drei Wochen. Effektiv galt es, die Übernahme in etwa zwei Wochen durchzubringen.

Bürokratie ist für Krampf und Soppa überhaupt eines der größten Probleme: „Wir würden uns gerne auf unsere Arbeit konzentrieren, werden aber immer wieder durch belastenden Papierkram ausgebremst.“ Bereits in der dritten Woche nach der Übernahme kündigte sich die Revision an, die sie auch dank ihrer Mitarbeiter:innen super gemeistert haben. So ein starkes Team zu haben mache stolz. „Alle haben uns klasse unterstützt“, loben die beiden Apothekerinnen ihre insgesamt etwa 50 Angestellten, die im Übrigen vollständig die Übernahme mitgetragen haben und erhalten geblieben sind.

Die zwei Frauen haben sich die Aufgaben gut aufgeteilt. Krampf kümmert sich um das Qualitätsmanagement und die Präqualifizierung. Auch alles, was im Zusammenhang mit Hilfsmitteln steht, gehört zu ihrem Tätigkeitsbereich. In Labor- und Rezepturfragen ist sie ebenfalls erste Ansprechpartnerin. Soppa hat sich auf die Rundumbetreuung der zu versorgenden Pflegeheime spezialisiert. Sie hält in den Einrichtungen Vorträge und schult das dortige Personal. Klar, dass die beiden Apothekerinnen sich auch auf die jeweiligen Betriebe aufteilen, aber an bestimmten fest eingeplanten Tagen arbeiten sie weiterhin zusammen, sehen sich und können Absprachen ganz persönlich treffen. „Das lassen wir uns natürlich nicht nehmen.“

„Pharmazeutisches Personal ist Mangelware“

Krampf und Soppa sind komplett in den Apothekenalltag eingebunden. „Wir sind im Handverkauf und bei allen apothekenüblichen Aufgaben voll präsent.“ Als Centerapotheken einer Kreisstadt sind die Betriebe zwar mit einer guten Lage gesegnet, jedoch auch an die Öffnungszeiten der Ladenstraße gebunden. Durchgehend von 8 bis 19 Uhr unter der Woche und am Samstag bis 18 Uhr bedeuten eher familienunfreundliche Arbeitszeiten für die vielen Mütter im Team. Die meisten Angestellten arbeiten in Teilzeit und wechseln sich daher mit Früh- und Spätdiensten gut ab. Die Anzahl der Mitarbeiter ist aus diesem Grund auch etwas höher, um die Öffnungszeiten gewährleisten zu können. Hinzu kommen verkaufsoffene Sonntage und natürlich Nacht- und Notdienste. Eine Regelung, dass auch erfahrene PTA mit einer entsprechenden Zusatzqualifikation in die Nacht- und Notdienstversorgung mit einsteigen können, wäre in Zeiten des massiven Personalmangels sehr hilfreich, finden die Apothekerinnen.

Krampf freut sich immer über Bewerbungen, gerade von Approbierten. Da Pharmazieingenieure nach und nach wegfallen, müssen für diese früher oder später zwingend Nachfolger gefunden werden. Die nächsten Universitäten für den Pharmazie-Studiengang oder auch Schulen für die PTA-Ausbildung befinden sich in Dresden, Leipzig und Jena. Das ist zwar nicht allzu weit weg, dennoch verbleiben die wenigen Approbierten und ausgebildeten PTA zumeist in den Großstädten. Nach Hoyerswerda und Bautzen kämen fast nur Gebürtige zurück, die nach der Ausbildung ihrer Heimatverbundenheit nachgehen.

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