Inhaberwechsel zum Jahresstart

Viel Bürokratie bei Apothekenübernahmen

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Berlin -

Zum Jahreswechsel gab es in Deutschland nicht nur Apothekenschließungen, sondern auch einige gelungene Übernahmen zu verzeichnen. Von denen, die die ersten Schritte in die Selbstständigkeit wagen bis hin zu den Fortgeschrittenen auf diesem Gebiet erzählen Apotheker von ihren Übernahmen. Eines haben sie aber mindestens alle gemeinsam: Der Verwaltungsaufwand wird als strapaziös und schweißtreibend wahrgenommen.

„Man muss brennen für seinen Beruf“

Für Sabrina Fink ist genau jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen, ihre eigene Apotheke zu führen. In Lauingen an der Donau hat sie zu Jahresbeginn die Stadt-Apotheke übernommen. Es ist eine der ältesten Apotheken im Landkreis Dillingen. Die 38-jährige Pharmazeutin hat in München studiert und anschließend in den Ulmer Ried-Apotheken als angestellte Apothekerin gearbeitet. Zehn Jahre davon sogar als Filialleiterin.

In dieser Zeit hat sie sehr viel über die Funktion als Führungsperson gelernt. „Das war die beste Schule für mich“, erzählt Fink, die seit einigen Jahren verheiratet ist und zwei Kinder im Alter von sechs und vier Jahren hat. Der Entschluss, sich selbstständig zu machen, war recht schnell gefasst, nachdem die Kinder das Windelalter hinter sich gelassen hatten. Aber schon das Studium bereitete Fink großen Spaß. „Ich bin eine leidenschaftliche Apothekerin!“ Es gehe ihr darum, den Patient:innen zu helfen und schnell eine Lösung für ein gesundheitliches Problem zu finden. So anstrengend der Beruf dieser Tage sein auch möge. Positive Rückmeldungen machen die Apothekerin besonders stolz und treiben ihre Motivation um ihren pharmazeutischen Ehrgeiz weiter an. Der Beruf sei ihr sehr stark ans Herz gewachsen.

Vor zwei Jahren hat Fink begonnen nach einer eigenen Apotheke zur Übernahme Ausschau zu halten und dabei viele Inhaber in ihrer Umgebung angeschrieben. Sie hat bei ihrer Auswahl besonders auf die Lage geachtet und darauf, dass es Ärzte in der Nachbarschaft gibt. Mehrere Antworten hat sie bekommen, darunter Absagen und Vertröstungen auf einen späteren Zeitpunkt. Apotheker Johannes Huber hat nach kurzer Bedenkzeit seine Chance beim Schopf gepackt. Vor etwa einem Jahr haben er und Fink sich zusammengesetzt und die Übernahme geplant. „Es war ein sehr spannender Weg bis zur Eröffnung und hat einige Kraft erfordert“, verrät die neue Inhaberin. Bürokratie ohne Ende, aber „jetzt bin ich froh, endlich loslegen zu können.“ Das Glück, ein tolles Team übernehmen zu können, was seit Jahren großartig gemeinsam agiert, hat nicht jeder, dessen ist sich Fink bewusst. Und umso höher sei ihre Wertschätzung darüber.

Huber, der in Lauingen aufgewachsen ist, den alle Kund:innen auch ohne Namensschild kennen, wird nach einer kurzen Auszeit als Vertretung weiter in der Apotheke arbeiten.

„Ich hab mir das so ausgesucht – Ich mach das mit Leib und Seele“

Carolin Partu hat zum Jahreswechsel gleich zwei Apotheken übernommen: eine in Drensteinfurt und eine in Ahlen. Damit hat die Apothekerin insgesamt vier Apotheken im Münsterland. Der Betrieb in Drensteinfurt soll ihre Hauptapotheke sein.

Partu bildete gemeinsam mit weiteren Apotheker:innen den Verbund „Die starken Apotheken“, in dem unter anderem eng beim Einkauf und im Bereich Marketing zusammengearbeitet wird. Hierüber wurde sie auch angesprochen, ob sie Interesse an einer oder sogar gleich zwei Übernahmen hätte. Um das Fortbestehen der Apotheken zu gewährleisten, willigte Partu ein. Sie gibt zu, es ist ein Kraftakt: „Schon die Übernahme nur einer Apotheke ist nicht an einem Tag getan.“ Sie arbeitet mit Checklisten und To-Do-Plänen, um möglichst nichts zu vergessen.

Wie fast alle Apotheken, hat auch Partu offene Stellen anzubieten, doch der Fachkräftemangel macht es ihr nicht leicht. Momentan switchen ihre Mitarbeiter auch schon das ein oder andere Mal zwischen den Betrieben, um Personallücken auszugleichen. Auch bei Dringlichkeiten in der Arzneimittelversorgung besteht die Möglichkeit, sich spontan untereinander abzusprechen und per Bote das Medikament aus einer der Partu-Apotheken einzuholen.

Synergien mit zwei Apotheken

Es ist dem Apotheker Olaf Zander gelungen, eine kompetente Nachfolge für seine Trave-Apotheke in Klein-Rönnau (Schleswig-Holstein) zu gewinnen: Zum Jahreswechsel hat Apotheker Dirk Buckenberger den Betrieb als sein Hauptgeschäft übernommen. Ganz unbekannt dürfte so ein Prozess dem Apotheker nicht sein. Schließlich ist ihm schon einmal eine Übernahme geglückt. Im benachbarten Bad Segeberg hat er 2018 die Alte Apotheke übernommen. Zuvor wirkte er dort einige Zeit als angestellter Apotheker mit, um sich in das Unternehmen einzufühlen. Die Apotheke liegt in der Innenstadt und wird nun zur Filialapotheke. Buckenberger ist sich sicher, eine Leitung vor Ort zu haben, die sich dieser Position bestens annimmt.

Die Übernahmegespräche einer weiteren Apotheke haben bereits vor zwei Jahren begonnen. Es ist darüber eine Freundschaft mit Zander entstanden, der sich in den wohlverdienten Ruhestand begeben hat, so Buckenberger. Der Betrieb sei ebenfalls mit einer guten Lage gesegnet. Mit nun zwei Apotheken würde der Arbeitsaufwand nicht geringer und das Risiko erhöht sich ebenfalls, aber es ergeben sich auch Synergien. Beispielsweise dann, wenn es um die aktuelle Arzneimittelknappheit geht. „Die Sichtwahl ist meist leergefegt. Die eine Apotheke hat aber vielleicht gerade das, was die andere dringend braucht.“ Buckenberger ist stolz und dankbar, in beiden Apotheken großartige Teams zu wissen, die den Inhaberwechsel mitgetragen und unterstützt haben.

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