Geburtsmedizin

Schwere Geburt: Hebammenberuf im Umbruch dpa, 15.05.2018 11:14 Uhr

Karlsruhe - Das Baby dreht sich auf dem Weg nach draußen vorbildlich im Geburtskanal und erblickt mit dem Gesichtchen nach unten das Licht der Welt. „Flutsch“ macht es, und der Stoffsäugling mit den Schlackerarmen ist in der Hebammenschule Karlsruhe mit Hilfe der Hebammenschülerinnen Angelica und Luise aus dem Plastikmodell des Beckens nach draußen geholt. „Das ging schnell“, lachen die jungen Frauen. Sie haben am Modell viele Male geübt und nun, im zweiten Ausbildungsjahr, dürften sie im Kreißsaal auch selbst Hand anlegen.

Die Hebammenschülerin Celine Friedrich berichtet euphorisch von der Ehre, den Moment der Geburt begleiten zu dürfen: „Den Augenblick der ersten Liebe zu sehen zwischen den Eltern und ihrem Baby.“ Hebamme - all die jungen Frauen hier nennen es ihren Traumberuf.

Und dennoch ist er seit Jahren in der Krise, der Mangel an Hebammen virulent. Der Deutsche Hebammenverband (DHV) trommelt zwar unermüdlich und medial äußerst erfolgreich für die Nöte der Hebammen. Zahllose Frauen, werdende Mütter, Aktivistinnen unterschrieben Petitionen, gründeten Interessenverbände, lenkten schließlich auch das politische Augenmerk auf die prekäre Situation der Geburtshelferinnen und damit auch die der Schwangeren selbst, die kaum noch eine Hebamme zur Betreuung finden.

Aber die Probleme rund um schlechte Bezahlung, Arbeitsbelastung und hohe Haftpflichtprämien sind bis heute nur teilweise gelöst. Das zeigt auch eine aktuelle Analyse des Sozialministeriums in Stuttgart zur Lage der Geburtshilfe im Land Baden-Württemberg: Demnach bleiben Hebammen nur vier bis sieben Jahren im Beruf. Bundesweit sei die Verweildauer ähnlich kurz, sagt DHV-Sprecher Robert Manu.

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