Fast jeder Fünfte im Alter ab 18 Jahren hat laut einer Barmer-Umfrage schon einmal beim Arztbesuch aus Scham, Peinlichkeit oder Misstrauen bestimmte Themen nicht angesprochen. Der Anteil war demnach bei Patientinnen mit 23 Prozent höher als unter Patienten mit 13 Prozent. „Falsche Scham kann negative Folgen für den Behandlungsverlauf mit sich bringen und den Behandlungserfolg beeinträchtigen“, warnt die sächsische Barmer-Landeschefin Dr. Claudia Beutmann. Dabei bestehe hierfür kein Grund, denn das Arzt-Patienten-Verhältnis unterliege der ärztlichen Schweigepflicht.
Rund 18 Prozent der Bevölkerung in Deutschland haben laut der Forsa-Umfrage im Auftrag der Barmer beim Arzt schon einmal gesundheitliche Probleme oder Beschwerden nicht angesprochen. Gerade junge Menschen haben demnach die größten Probleme: In der Gruppe der 18- bis 29-Jährigen haben nach eigenen Angaben 28 Prozent bestimmte Beschwerden verschwiegen. Dieser Anteil werde mit zunehmendem Alter immer geringer. Bei Personen ab 60 Jahren war dies laut der Barmer nur noch bei 13 Prozent der Fall.
„Junge Menschen haben in der Regel noch nicht so viel Kontakt mit Ärzten“, so Beutmann. Mit zunehmenden Alter nehme auch der Kontakt zu. „Dadurch kann eine Vertrauensbasis entstehen, die das Ansprechen bestimmter Beschwerden erleichtert“, erklärt Beutmann.
Das größte Tabu betrifft laut der Umfrage Beziehungs- und Sexualprobleme. Rund 28 Prozent erklärten, sie hätten Schwierigkeiten, Beziehungs- und Partnerschaftsprobleme bei einem Arztbesuch anzusprechen – unabhängig davon, ob eine solche Situation bereits eingetreten sei. Bei Sexualgesundheit und sexuellen Problemen waren es demnach 25 Prozent und bei häuslicher Gewalt oder Missbrauch 20 Prozent.
„Gerade bei gravierenden Beschwerden und besonders belastenden gesundheitlichen Problemen ist es wichtig, mit dem Arzt darüber offen zu sprechen. Nur dann ist eine optimale Unterstützung und Behandlung möglich“, betont Beutmann.
Auch zwischen den Geschlechtern zeigten sich Unterschiede. Der Umfrage zufolge hätten Frauen etwas größere Probleme, bestimmte Themen beim Arzt anzusprechen. Am größten ist die Differenz demnach mit zehn Prozentpunkten im Bereich häuslicher Gewalt und Missbrauch. Hier gaben 25 Prozent der Frauen und 14 Prozent der Männer an, Schwierigkeiten zu haben, diese anzusprechen. Dasselbe gilt laut der Barmer für Gewichtsprobleme und Essstörungen, die 17 Prozent der Frauen und 7 Prozent der Männer nur schwerlich thematisieren würden.
Auch wenn fast jeder fünfte Patient schon einmal ein Thema verschwiegen habe, scheine es zumindest in vielen Fällen nicht an einem mangelnden Vertrauen in die Ärzteschaft zu liegen, erklärt die Barmer. Nach eigenem Bekunden vertrauten 92 Prozent der Befragten den Medizinern grundsätzlich, wenn es um das Thema Gesundheit geht.
Für die Umfrage wurden im Zeitraum von Januar und Februar 2026 insgesamt 1791 Personen ab 18 Jahren im Rahmen computergestützter Telefoninterviews befragt. Die Ergebnisse wurden nach Region, Alter, Geschlecht und Schulbildung gewichtet, um eine möglichst repräsentative Abbildung der Bevölkerung zu gewährleisten.
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