Von Vor-Ort-Apotheke überzeugt?

Per Erasmus: Jung-Apothekerin in Würzburg statt in Salamanca

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Berlin -

Dr. Thomas Richter betreibt zusammen mit seiner Frau Dr. Claudia Richter die beiden Richter-Apotheken im Rahmen einer OHG – die St. Kilians-Apotheke in Würzburg und die Rats-Apotheke in der benachbarten Gemeinde Gerbrunn. Für beide Apotheken gibt es nun Unterstützung aus Spanien: Über das Erasmus-Programm kam Stephanie Rothstein González zum Apothekerpaar.

Rothstein González absolviert derzeit einen Teil ihrer pharmazeutischen Ausbildung in den Richter-Apotheken. „Durch ihre hervorragenden Sprachkenntnisse, ihre freundliche Wesensart sowie durch ihr profundes pharmazeutisches Fachwissen konnte Frau Rothstein González sich sehr schnell in die deutsche Apothekenwelt einarbeiten“, so ihr derzeitiger Chef.

Laut Richter hat sich die neue Kollegin schnell in Würzburg eingearbeitet: „Nach wenigen Wochen konnte sie daher pharmazeutische Unterstützung bei der Herstellung von Rezepturen leisten sowie in vielen anderen Bereichen den bei uns tätigen PTA und Apothekern zuarbeiten“, so Richter.

Das Pharmaziestudium in Spanien unterscheidet sich von dem in Deutschland: Das formal als Bachelorstudiengang ausgelegte Studium dauert etwa fünf Jahre, beinhaltet aber ebenfalls ein halbes praktisches Jahr. Rothstein González studiert zudem noch Biotechnologie in Salamanca. Zwischen der spanischen Großstadt und Würzburg gebe es für die spanische Studentin viele Parallelen, berichtet Richter. Beide Städte sowie deren Universitäten seien immerhin ähnlich groß; zwischen der Universidad de Salamanca und der Julius-Maximilians-Universität besteht zudem eine Partnerschaft.

Die bisherige Zeit in den beiden deutschen Apotheken konnte auch schon etwas am Berufswunsch der Nachwuchspharmazeutin rütteln. Zunächst habe diese eine Karriere in der Industrie angestrebt, so Richter, nun habe Rothstein González aber zunehmend Gefallen an der Arbeit in der Offizin gefunden. Ein Einstieg in eine Vor-Ort-Apotheke sei somit inzwischen nicht mehr ausgeschlossen.

Zukunft in deutscher Apotheke für spanische Studentin?

„Wenn sie die zwei Bachelorarbeiten in den Fächern Pharmazie und Biotechnologie abgeschlossen hat, kann sie sich das praktische halbe Jahr aus Deutschland in Spanien anrechnen lassen, wenn es um die Erteilung der Approbation geht. Und der Weg von der spanischen Approbation zur deutschen besteht aus einer Fachsprachenprüfung, welche für Frau Rothstein González aufgrund ihrer deutschen Wurzeln kein Problem darstellen wird“, sinniert Richter bereits über eine dauerhafte Beschäftigung der angehenden Apothekerin in Deutschland.

Richter ist sich sicher, dass die Studentin ein hervorragendes Prüfungsergebnis erzielen wird – und hofft auf mehr solcher Möglichkeiten für Nachwuchs-Pharmazeut:innen. „Derartige Lebensläufe und akademische Stationen sollten eigentlich im Rahmen des Bologna-Prozesses, der den europäischen Hochschulraum zu größerer Durchlässigkeit verhelfen sollte, nicht die Ausnahme, sondern die Regel sein.“

Vielleicht wäre ein solch offener Studiengang die Möglichkeit, mehr junge Menschen für das Pharmaziestudium zu begeistern. Hier wäre für Richter jedenfalls eher der Hebel gegen das Nachwuchsproblem, als bei einer Aufweichung hinsichtlich der Berechtigungen abseits einer Approbation. „An der universitären Verankerung der Pharmazie muss man daher in allen Fällen festhalten und nicht durch PTA-Vertretungen in Apotheken einer Semiprofessionalität das Tor öffnen. Eine Approbation als Apothekerin und Apotheker haben in Deutschland und in Spanien einen hohen Stellenwert, den man nicht leichtfertig aufs Spiel setzen sollte.“

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