Kallmünz

Prozess nach Amoklauf in Apotheke

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Berlin -

Im vergangenen April herrschte in Kallmünz bei Regensburg Ausnahmezustand: In der örtlichen Apotheke ging der psychisch kranke Sohn des Inhabers auf einen Arzt los, den er bis zur Bewusstlosigkeit würgte. Als ihn anschließend die Polizei festnehmen wollte, griff er die Beamten mit Säure und einem selbstgebauten Flammenwerfer an. Vor dem Schwurgericht Regensburg wird nun entschieden, ob der Mann in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht werden soll.

Der angegriffene Arzt war am Gründonnerstag 2015 in die Apotheke gerufen worden, weil die Mutter des Täters akut erkrankt war. Als der Hausarzt in der Apotheke eintraf, schlug ihm der Angeklagte unvermittelt mehrfach mit der Faust ins Gesicht und trat ihm in die Rippen. Als der Mediziner am Boden lag, würgte der Mann ihn so lange, dass er bewusstlos wurde. Vor Gericht sagte der Arzt, er habe Todesangst gehabt und gedacht: „Du stirbst jetzt hier in dieser Apotheke in Kallmünz.“

Als der Mediziner wieder zu sich kam, konnte er in eine nahegelegene Metzgerei fliehen. Von dort beobachtete er, wie der Apothekersohn Gegenstände in den Fluss warf. Dabei handelte es sich vermutlich um Schlüssel und Handy des Arztes – da diese Gegenstände anschließend nicht mehr aufgetaucht waren. Anschließend zertrümmerte der Mann noch die Scheiben eines geparkten Autos. Selbst die eingetroffenen Rettungskräfte hatten Angst, mit dem verletzten Arzt die Metzgerei zu verlassen. Schließlich fuhr ein Rettungswagen nah an das Geschäft heran und brachte den Arzt in ein Krankenhaus.

Der Angreifer verschanzte sich schließlich in der Wohnung seiner Eltern über der Apotheke. Als sich die Polizisten dem Haus näherten, soll er sie mit Essig und Ameisensäure angegriffen haben. Als ein Sondereinsatzkommando eintraf, zielte er mit einem improvisierten Flammenwerfer auf die Beamten. Dabei verletzte er sie und setzte ein Haus in Brand. Der Sachschaden wurde auf mehrere Zehntausend Euro geschätzt. Erst im zweiten Anlauf konnten die Polizisten die Wohnung stürmen und den Täter festnehmen.

Der Hausarzt erlitt bei der Attacke multiple Hauterosionen und Hämatome sowie eine Thoraxkontusion. Außerdem brach ihm der Täter eine Hand, die trotz Operation bis jetzt nicht ausgeheilt ist. Der Arzt berichtet zudem, dass er seit des Übergriffs keine Nacht durchschlafen konnte, da er die Tat ständig vor Augen habe. Der Angeklagte schwieg vor Gericht zu den Vorwürfen. Aber er entschuldigte sich bei seinem Opfer; er habe damals eine andere Realität gehabt.

Der Prozess gegen den 29-jährigen Apothekersohn, der in Graz Medizin studiert hat, wurde am vergangenen Dienstag eröffnet. Die Anklage lautet auf versuchten Totschlag in zwei Fällen, gefährliche Körperverletzung und Sachbeschädigung. Laut Richter Werner Ebner kommt statt versuchten Totschlags auch jeweils versuchter Mord als Tatbestand in Frage. Der Angeklagte fiel bereits zu Schul- und Studienzeiten als gewalttätig auf. Seine jüngere Schwester hat aus Angst den Kontakt zu ihm bereits vor Jahren abgebrochen.

Da der Mann an einer Psychose aus dem schizophrenen Formenkreis leidet und damit zum Tatzeitpunkt wohl unzurechnungsfähig war, soll im Prozess geklärt werden, ob er in einer geschlossenen Psychiatrie untergebracht wird. Sieben Verhandlungstage sind angesetzt, das Urteil wird für Mitte März erwartet.

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