Herzogenaurauch

Apothekenangestellte rettet Storch

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Berlin -

Da staunten die Kunden und Mitarbeiter der Beyschlagschen Apotheke im bayerischen Herzogenaurauch: Ein junger Storch verirrte sich am Montag in den Verkaufsraum. Der Jungvogel lebte eigentlich im Storchennest auf dem Apothekendach. Doch er wurde von den Eltern nicht mehr gefüttert. Die Apothekenaushilfe Gisela Mieth rettete ihm wohl das Leben.

Als der Storch in der Apotheke auftauchte, riefen die Mitarbeiter den als „Storchenvater“ bekannten Erlanger Michael Zimmermann an. Er wies die Apothekenangestellten an, den Storch in einen Hof zu treiben und dort über Nacht einzusperren, damit das Tier nicht überfahren werde. Denn der Vogel soll den ganzen Montag durch den Ort spaziert sein, bevor er in der Apotheke einkehrte.

Mieth fing gemeinsam mit einer Kollegin den Vogel ein. „Ich 'stürzte' mich gewissermaßen auf ihn und hielt ihn fest, während ihn meine Kollegin mit der Gießkanne Wasser gab“, berichtet sie. Das Tier sei völlig geschwächt gewesen: „Er war ganz abgemagert.“ Nur durch die Pflege der Apothekenmitarbeiterinnen überlebte er wohl die Nacht.

Die Eltern hatten den Jungvogel wohl nicht mehr gefüttert, da seine rechte Schwinge nicht richtig ausgebildet ist. Damit ist der Vogel flugunfähig und kann sich selbst keine Nahrung fangen. Die Fehlbildung hängt vermutlich mit zu kaltem und zu nassem Wetter nach dem Schlüpfen zusammen. Doch mit der nächsten Mauser werde sich das Handicap geben, ist Zimmermann zuversichtlich.

Am Dienstagmorgen kam Zimmermann zur Apotheke. Mithilfe einer Menschenkette wurde der Vogel eingekreist und von Zimmermann mit der Hilfe von Mieth schließlich gefangen. Der Storchenvater fütterte ihn dann erst einmal mit Rindfleischhappen.

Anschließend hieß es Abschied nehmen für das Apothekenteam und den Storch: Zimmermann wickelte das Tier in ein Tuch und transportierte es mit dem Auto nach Schwaig. Dort soll der Storch in einer Außenstelle des Tierparks Nürnberg aufgepäppelt werden. Sobald nach der ersten Mauser im nächsten Jahr die neuen Federn ordentlich nachgewachsen sind, soll er in die Freiheit entlassen werden. Für Mieth war die Rettung des Jungvogels selbstverständlich: „Das macht man doch gern.“

Auf der Beyschlagschen Apotheke brütete nicht zum ersten Mal ein Storchenpaar. Lange Zeit versuchten Störche immer wieder, auf dem Kamin zu nisten. „Das ging natürlich nicht, das Nest wurde entfernt“, so Mieth. Doch vor zwei Jahren hat Apothekeninhaberin Gabriele Sehring-Castelli einen Ersatznistplatz eingerichtet, der von den Storchenpaaren angenommen wird.

Nicht nur auf der Beyschlagschen Apotheke brüteten Störche: Auch das Dach der Adler-Apotheke in Wolmirstedt in Sachsen-Anhalt war im vergangenen Jahr ein Nistplatz. Konrad Riedel hat sogar eine Kamera installiert, die das Nest filmt.

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